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Grundlage des Spiritismus
01. Was es ist
02. Was er offenbart
03. Was er umfasst
04. Was er lehrt
05. Spiritistische
Praxis
05. Inhalt der
Lehre der Geister
06. Grundsätze
aus der Lehre der Geister
07. Spiritistische
Phänomene


 Was
es ist
Es sind die in den Werken von Allan Kardec enthaltenen Prinzipien und
Gesetze, die von den höheren Geistern offenbart wurden. Diese Werke
bilden die sogenannte "Spiritistische Kodifikation" (Spiritistische
Erfassung): Das Buch der Geister, Das Buch der Medien, Das Evangelium
im Lichte des Spiritismus, Der Himmel und die Hölle und Die Genesis.
"Der Spiritismus ist eine Wissenschaft, die sowohl die Natur, den
Ursprung und das Schicksal der Geister, als auch ihre Beziehungen mit
der körperlichen Welt erforscht."
Allan Kardec (Über das Wesen des Spiritismus - Präambel)
"Der Spiritismus verwirklicht, was Jesus über den versprochenen
Tröster behauptete (Johannes 14:15-17,26): Die Kenntnis aller Dinge,
damit der Mensch erfährt, woher er kommt, wohin er geht und warum
er auf der Erde ist; er zieht einen zu den wahren Prinzipien des göttlichen
Gesetzes an und tröstet durch den Glauben und durch die Hoffnung."
Allan Kardec (Das Evangelium im Lichte des Spiritismus - Kapitel VI
- 4)


 Was
er offenbart
Er offenbart neue und tiefere Konzepte in Bezug auf Gott, auf das Universum,
auf den Menschen, auf Geister und auf die Gesetze, die das Leben regeln.
Er offenbart dazu, was wir sind, woher wir kamen, wohin wir gehen
werden, was das Ziel unserer irdischen Existenz ist und welchen Sinn
Schmerzen und Leiden haben.


 Was
er umfasst
Indem er neue Konzepte über den Menschen und alles um ihn herum
einbringt, beruht der Spiritismus auf allen Bereichen des Wissens, der
Aktivitäten und des Verhaltens des Menschen und öffnet eine
neue Ära für die Erneuerung der Menschheit.
Er kann und soll gelernt, analysiert und in allen grundsätzlichen
Aspekten des Lebens ausgeübt werden, beispielsweise wissenschaftlich,
philosophisch, religiös, ethisch, moralisch, erzieherisch und gesellschaftlich.


 Was
er lehrt
Grundsätzliche Aspekte
Gott ist die höchste Intelligenz und der Ursprung von allem.
Er ist ewig, unveränderlich, immateriell, einzig, allmächtig,
souverän, gerecht und gut.
Das Universum ist Schöpfung Gottes. Es umfasst alle denkenden
und nicht denkenden, lebendigen und nicht lebendigen, materiellen
und immateriellen Wesen.
Außer der körperlichen Welt, welche der Lebensraum der
inkarnierten (einverleibten) Geister (Menschen) ist, gibt es die geistige
Welt, die den Lebensraum der desinkarnierten (nicht einverleibten)
Geister darstellt.
Im Universum gibt es andere bewohnte Welten, in denen verschiedene
Wesen in verschiedenen Entwicklungsebenen (-stadien) existieren. Sie
sind gleich, mehr oder weniger entwickelt als der Mensch.
Alle Naturgesetze sind von Gott geschaffen worden. Sie umfassen sowohl
die physischen als auch die moralischen Gesetze.
Der Mensch ist ein inkarnierter (einverleibter) Geist (Esprit, Spirit)
in einem materiellen Körper. Der Perisprit (Geisterhülle)
ist der halbmaterielle Körper, der den Geist mit dem materiellen
Körper verbindet.
Die Geister sind die intelligenten Wesen der Schöpfung. Sie
bilden die geistige Welt, die vor jedem physischen Dasein gewesen
ist und alles Materielle überdauern wird.
Die Geister werden einfach und unwissend erschaffen. Sie entwickeln
sich intellektuell und moralisch, indem sie von einer niederen zu
einer höheren Ebene aufsteigen, bis sie die Vollkommenheit erreicht
haben, wo sie eine unveränderliche Freude genießen.
Die Geister bewahren ihre Individualität vor, während und
nach jeder neuen Inkarnation.
Die Geister reinkarnieren so viele Male, wie es für ihre eigene
Entwicklung notwendig ist.
Die Geister entwickeln sich immer. In ihren vielfältigen körperlichen
Existenzen können sie stagnieren. Sie entwickeln sich aber nie
zurück. Die Schnelligkeit ihrer intellektuellen und moralischen
Fortschritte ist abhängig von den Bemühungen, die sie machen,
um die Vollkommenheit zu erlangen.
Die Geister können verschiedenen Klassen zugeordnet werden,
je nach der Vollkommenheitsebene, die sie erreichen konnten: reine
Geister, die schon die höchste Vollkommenheitsebene erreichten;
und gute Geister, bei denen der Wunsch nach dem Guten überwiegt;
unvollkommene Geister, die sich durch die Unwissenheit, den Wunsch
nach dem Bösen und die niederen Leidenschaften auszeichnen.
Die Beziehungen zwischen den Geistern und den Menschen sind permanent
und existierten schon immer. Die guten Geister beeinflussen uns zum
Guten, geben uns die Unterstützung in den Prüfungen des
Lebens und helfen uns, diese Prüfungen mit Mut und Ergebenheit
zu verkraften. Die unvollkommenen Geister treiben uns zum Fehltritt
an.
Jesus ist der Weg und das Vorbild für die ganze Menschheit. Und
die Lehre, die er ausgeübt und uns gelehrt hat, ist der reinste
Ausdruck des göttlichen Gesetzes.
Die Moral Christi, im Evangelium enthalten, ist der Leitfaden zu
der sicheren Entwicklung aller Menschen. Die Praxis der christlichen
Moral ist zugleich die Lösung für alle menschlichen Probleme
und das zu erreichende Ziel der Menschheit.
Der Mensch besitzt den freien Willen zu agieren, haftet aber für
die Folgen seiner Taten.
Das künftige Leben bringt dem Menschen Strafen und Belohnungen,
seinem Verhalten gegenüber dem göttlichen Gesetz entsprechend.
Das Gebet ist eine Tat der Gottesanbetung, die zu den Naturgesetzen
gehört und die einem angeborenen Gefühl des Menschen entspricht
sowie der angeborenen Idee von der Existenz des Schöpfers.
Das Gebet macht den Menschen besser. Derjenige, der mit Inbrunst und Vertrauen
betet, macht sich selbst widerstandsfähiger gegen die Versuchung
des Bösen, und Gott sendet ihm gute Geister, um ihm zu helfen.
Das ist eine Hilfe, die ihm nie verweigert wird, wenn er mit Aufrichtigkeit
darum betet


 Spiritistische
Praxis
Alle spiritistische Praxis ist kostenlos, wie im folgenden Prinzip des
Evangeliums dargelegt ist:
"Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch" (Matthäus
10:8)
Die spiritistische Praxis wird mit Einfachheit und ohne Rituale ausgeführt,
gemäß dem christlichen Prinzip, dass Gott im Geist und
in der Wahrheit angebetet werden soll. (Johannes 4:23)
Der Spiritismus hat keine Priester oder priesterliche Zuordnung und
verwendet in seinen Sitzungen und in seiner Praxis: keine Altäre,
keine Bilder, keine Traggerüste, keine Kerzen, keine Prozessionen,
keine Sakramente, keine Vergebung der Sünden, keine Paramente,
keine alkoholische oder berauschende Getränke, keinen Weihrauch,
keinen Tabak, keine Talismane, keine Amulette, keine Horoskope, kein
Kartenlegen, keine Pyramiden, keine Kristalle, keine Rituale oder
Formen externen Kultes.
Der Spiritismus bürdet seine Prinzipien den Interessenten nicht
auf. Er lädt sie ein, seine ganze Lehre durch eigene Vernunft
zu überprüfen, bevor sie diese akzeptieren.
Die Mediumnität (Medialität), die die Kommunikation zwischen
den Geistern und dem Menschen ermöglicht, ist eine Gabe, die
vielen Personen in die Wiege gelegt worden ist. Sie ist ganz unabhängig
von der Lehreinrichtung, Lebensphilosophie oder Religion, die man
sich zu Eigen macht.
Die spiritistische Praxis der Mediumnität ist nur diejenige,
die unter den Prinzipien der spiritistischen Lehre und unter der christlichen
Moral durchgeführt wird.
Der Spiritismus respektiert alle Religionen und Lehren, verleiht
Wert allen Bemühungen für die Praxis des Guten, arbeitet
für die Verbrüderung und für den Frieden zwischen allen
Völkern und Menschen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit,
Glaube oder Gesellschaft- bzw. Kulturebene. Er erkennt, dass "der
wahre Ehrenmensch derjenige ist, der in der höchsten Reinheit
dem Gesetz der Gerechtigkeit, der Liebe und der Nächstenliebe
folgt".


 Inhalte
der Lehre der Geister
Aus dem Buch: "Der Spiritismus in seinem einfachsten Ausdruck"
Allan Kardec. - 1. Aufl. -München: Spiritismus Verlag, 2005 ISBN
3-935824-02-5
1. Gott ist die höchste Intelligenz, die erste Grundursache
aller Dinge. -- Gott ist ewig, einzig, immateriell, unveränderlich,
allmächtig, souverän gerecht und gut. Er muss in allen seinen
Vollkommenheiten unendlich sein, denn man könnte ein einziges
seiner Attribute unvollkommen vermuten, so wäre er nicht mehr
Gott.
2. Gott hat den Stoff, aus dem die Welten bestehen, geschaffen; schuf
auch intelligente Wesen, die wir Geister nennen, welche beauftragt
sind, die materiellen Welten nach den unwandelbaren Gesetzen der Schöpfung
zu verwalten, und welche ihrer Natur nach vervollkommnungsfähig
sind. Indem sie sich aber vervollkommnen, nähern sie sich der
Gottheit.
3. Der Geist ist, eigentlich gesagt, das intelligente Prinzip; seine
innere Natur ist uns unbekannt; für uns ist er unkörperlich,
da er keine Ähnlichkeit mit dem hat, was wir Stoff nennen.
4. Die Geister sind individuelle Wesen; sie besitzen eine ätherisch,
unwägbare Hülle, Perisprit genannt, eine Art fluidalen Körpers,
den Typus der menschlichen Gestalt. Sie bevölkern die Räume,
welche sie mit der Schnelligkeit des Blitzes durchziehen, und bilden
die unsichtbare Welt.
5. Der Ursprung und die Art der Schöpfung der Geister sind uns
unbekannt; nur wissen wir, dass sie einfach und unwissend geschaffen
sind, nämlich ohne Wissen und Erkenntnis des Guten und des Schlechten,
aber mit einer gleichen Anlage für alles; denn Gott in seiner
Gerechtigkeit konnte nicht die einen, um zur Vervollkommnung zu gelangen,
von der Arbeit befreien, welche Er den Anderen auferlegt hätte.
Am Anfang sind sie in einer Art Kindheit, ohne eigenen Willen und
ohne vollkommenes Bewusstsein ihrer Existenz.
6. Indem der freie Wille zugleich mit den Gedanken bei den Geistern
sich entwickelte, sagte Gott ihnen: "Alle könnt Ihr Anspruch
auf die höchste Glückseligkeit machen, wenn Ihr nur die
Kenntnisse, welche Euch fehlen, erworben, und die Aufgabe, die ich
Euch auferlege, erfüllt haben werdet. Arbeitet, denn vorzurücken,
das ist Euer Ziel: das werdet Ihr erreichen, indem Ihr den Gesetzen,
welche ich Eurem Gewissen eingeprägt habe, folgt."
Ihrem freien Willen zufolge nehmen die Einen den kürzeren Weg,
welcher der des Guten, die Anderen den längeren, welcher der
des Schlechten ist.
7. Gott hat nicht das Schlechte geschaffen; Er hat Gesetze gegründet,
und diese Gesetze sind immer gut, weil Er selbst höchst gut ist;
Wer sie treu beobachten würde, der wäre vollkommen glücklich;
da die Geister aber ihren freien Willen hatten, haben sie dieselben
nicht immer befolgt, und das Schlechte ist für sie aus ihrer
Unfolgsamkeit entstanden. Folglich kann man sagen, dass das Gute alles
das ist, was mit dem Gesetze Gottes übereinstimmend, und das
Schlechte alles das, was gegen dasselbe Gesetz ist.
8. Um als wirkende Wesen der göttlichen Macht am Werk der materiellen
Welten mitzuwirken, sind die Geister für eine Zeitlang mit einem
materiellen Körper bekleidet. Durch die Arbeit, welche ihre körperliche
Existenz nötig macht, vervollkommnen sie ihre Intelligenz, und
indem sie das Gesetz Gottes beobachten, erlangen sie die Verdienste,
welche sie zur ewigen Glückseligkeit führen sollen.
9. Die Inkarnation ist ursprünglich dem Geist nicht als eine
Strafe auferlegt worden; sie ist zu seiner Entwicklung und der Vollendung
der Werke Gottes nötig, und Alle müssen ihr unterstehen,
gleichviel ob sie den Weg des Guten oder den des Schlechten eingeschlagen
haben; mit dem Unterschied jedoch, dass diejenigen, welche den Weg
des Guten folgen, schneller vorrücken, weniger Zeit brauchen,
das Ziel zu erreichen, und mit weniger Mühe hingelangen.
10. Die einverleibten Geister bilden die Menschheit, welche nicht
bloß auf die Oberfläche der Erde beschränkt ist, sondern
alle Welten, mit denen der Raum besät ist, bevölkert.
11. Die Seele des Menschen ist ein einverleibter Geist. Um ihr in
der Erfüllung ihrer Aufgabe zu helfen, hat Gott ihr als Hilfsmittel
die Tiere gegeben, welche ihr unterworfen sind, und deren Verstand
und Charakter mit ihren Bedürfnissen in Beziehung stehen.
12. Die Vervollkommnung des Geistes ist die Frucht seiner eigenen
Arbeit; da er in einem einzigen körperlichen Leben alle moralischen
und geistigen Eigenschaften nicht erwerben kann, welche ihn zum Ziel
führen sollen, so gelangt er dahin durch eine Reihe von Existenzen;
bei jeder derselben macht er einige Schritte vorwärts auf dem
Wege des Fortschrittes.
13. Bei jeder körperlichen Existenz bekommt der Geist eine seiner
Entwicklung entsprechende Aufgabe zu vorführen; je härter
und mühsamer sie ist, desto mehr Verdienst hat er dieselbe zu
vollenden. So ist jede Existenz eine Prüfung, welche ihn dem
Ziel nähert. Die Anzahl dieser Existenzen ist unbestimmt; es
hängt von dem Willen des Geistes ab, dieselbe abzukürzen,
indem er tätig zu seiner moralischen Vervollkommnung wirkt; ebenso
wie es von dem Willen des Arbeiters, welcher eine Arbeit zu vollführen
hat, abhängt, die Anzahl der Tage, die er dazu braucht, zu vermindern.
14. Wenn eine Existenz schlecht angewendet wurde, so bleibt sie ohne
Nutzen für den Geist, welcher sie von neuem unter mehr oder weniger
mühsamen Bedingungen im Verhältnis seiner Nachlässigkeit
oder seines schlechten Willens anzufangen hat. Ebenso ist es im Leben,
man kann den Tag nachher das zu tun gehalten sein, was man den Tag
vorher nicht getan hat.
15. Das geistige Leben ist das normale Leben des Geistes: es ist
ewig; das körperliche Leben ist vorübergehend und vergänglich:
es bildet nur einen Augenblick in der Ewigkeit.
16. In dem Zwischenraum seiner körperlichen Existenzen ist der
Geist wandelnd. Die Geisterwanderung hat seine bestimmte Dauer; in
diesem Zustand ist der Geist entweder glücklich oder unglücklich,
je nach dem guten oder schlechten Gebrauch, den er von seiner letzten
Existenz gemacht hat; er forscht nach den Ursachen, welche seinen
Fortschritt befördert oder gehindert haben; er fasst die Entschlüsse,
welche er in seiner neuen Inkarnation zu verwirklichen trachten wird,
und wählt selbst die Prüfungen, welche er zu seinem Fortschritt
am geeignetsten glaubt, aber manchmal irrt er sich, oder unterliegt,
wenn er als Mensch nicht an den Entschlüssen festhält, welche
er als Geist gefasst hat.
17. Der strafbare Geist wird in der Geisterwelt mit moralischen Leiden
gequält, und in dem körperlichen Leben mit physischen Mühen
geplagt. Seine Kümmernisse sind die Folge seiner Fehler, nämlich,
seiner Übertretung des Gesetzes Gottes, so dass sie zugleich
eine Sühnung für die Vergangenheit und eine Prüfung
für die Zukunft sind. So kann der hochmütige ein Leben der
Erniedrigung, der Tyrann eines der Unterwürfigkeit, der unbarmherzige
Reiche eines der Armut haben.
18. Es gibt Welten für die verschiedenen Abstufungen des Fortschrittes
der Geister, wo die körperliche Existenz sich in sehr verschiedene
Beziehungen findet. Je weniger der Geist vorgerückt ist, desto
schwere und materielle sind die Körper, welche er bewohnt; in
dem Maße, wie er reiner wird, wird er moralisch und physisch
in höhere Welten übergehen. Die Erde ist weder die erste
noch die letzte derselben, sie ist aber eine der am wenigsten vorgerückten.
19. Die schuldigen Geister werden in den am wenigsten vorgerückten
Welten einverleibt, wo sie ihre Fehler durch die Betrübnisse
des körperlichen Lebens aussühnen. Diese Welten sind für
sie wahre Fegefeuer, aus welchen herauszukommen aber von ihnen abhängt,
indem sie an ihren moralischen Fortschritten arbeiten. Die Erde ist
eine dieser Welten.
20. Da Gott höchst gerecht und gut ist, so verdammt er nicht
seine Geschöpfe für zeitweise Fehler zu ewigen Strafen;
er bietet ihnen zu jeder Zeit Mittel, fortzuschreiten und das Schlechte,
welches sie getan haben, wiedergutzumachen. Gott verzeiht, aber er
verlangt die Reue, die Besserung und die Rückkehr zum Guten;
so dass, die Dauer der Strafe im Verhältnis zu dem Beharren des
Geistes im Schlechten steht; folglich wäre die Strafe für
denjenigen ewig, der ewig auf dem schlechten Weg verharren würde;
aber sobald ein Funke der Reue in das Herz des Schuldigen eindringt,
so erstreckt Gott auf ihn seine Barmherzigkeit. Mit diesem relativen
Begriffe und nicht in dem absoluten Sinn soll man die Ewigkeit der
Strafen verstehen.
21. Mit der Inkarnation bringen die Geister das mit sich, was sie
in ihren früheren Existenzen erworben haben; daher kommt es,
dass die Menschen instinktmäßig spezielle Anlagen, gute
oder schlechte Meinungen zeigen, welche denselben angeboren zu sein
scheinen.
Die schlechten, natürlichen Neigungen sind die Überreste
der Unvollkommenheit des Geistes, von denen er sich noch nicht vollständig
gereinigt hat; es sind auch die Andeutungen der Fehler, welche er
begangen hat, und die wahre Erbsünde. Er hat bei jeder Existenz
sich von einigen Unreinheiten zu befreien.
22. Das Vergessen von den früheren Existenzen ist eine Wohltat
Gottes, welcher in seiner Güte dem Menschen oft peinliche Erinnerungen
ersparen wollte. Bei jeder neuen Existenz ist der Mensch das, wozu
er sich selbst gemacht hat: für ihn ist dies ein neuer Ausgangspunkt;
er kennt seine jetzigen Fehler; er weiß, dass diese Fehler die
Folge derjenigen sind, welche er besaß; er schließt daraus
auf das Übel, welches er begehen konnte und das genügt ihm,
um an seiner Besserung zu arbeiten. Wenn er früher Fehler hatte,
welche er nicht mehr hat, so hat er sich nicht darum zu bekümmern;
er hat mit seinen jetzigen Unvollkommenheiten genug.
23. Wenn die Seele nicht schon gelebt hat, so soll sie zu gleicher Zeit
mit dem Körper geschaffen worden sein; bei dieser Voraussetzung
kann sie keinen Zusammenhang mit denen haben, welche ihr vorangegangen
sind. Man fragt sich dann, wie Gott, welcher höchst gerecht und
gut ist, sie für den Fehler des Urvaters des menschlichen Geschlechtes
verantwortlich machen konnte, indem er sie mit einer Sünde befleckte,
welche sie nicht begangen hat. Wenn man im Gegenteil sagt, dass sie
bei ihrer Wiedergeburt den Keim der Unvollkommenheiten ihrer früheren
Existenzen mitbringt; dass sie in der gegenwärtigen Existenz die
Folgen ihrer begangenen Fehler erleidet, so gibt man der Erbsünde
eine logische Erklärung, welche ein Jeder begreifen und annehmen
kann, weil die Seele nur für ihre eigenen Handlung verantwortlich
ist.
24. Die Verschiedenheit der angeborenen moralischen und intellektuellen
Anlagen ist der Beweis, dass die Seele schon gelebt hat; wenn sie
zu gleicher Zeit mit dem jetzigen Körper geschaffen worden wäre,
so würde es nicht der Güte Gottes gemäß sein,
die Einen vorgerückter als die Anderen gemacht zu haben. Warum
gibt es wilde und zivilisierte Menschen, gute und schlechte, dumme
und geistreiche Leute? Wenn man annimmt, dass die Einen öfter
gelebt und mehr erworben haben als die Anderen, erklärt sich
alles.
25. Wenn die jetzige Existenz die einzige wäre und allein über
die Zukunft der Seele für ewig entscheiden sollte, was wäre
das Schicksal der Kinder, welche frühzeitig sterben? Da sie weder
Gutes noch Böses getan haben, so verdienen sie weder Belohnung
noch Strafen. Da, dem Worte Christi gemäß, jeder nach seinen
Werken belohnt wird, so haben sie kein Recht zu der vollkommenen Glückseligkeit
der Engel, aber auch nicht verdient, derselben beraubt zu sein. Sagt
nur, dass sie in einer anderen Existenz das vollenden können,
was sie in der, welche abgekürzt wurde, nicht tun konnten, und
es besteht keine Ausnahme mehr.
26. Von demselben Gesichtspunkt betrachtet, was wäre das Schicksal
der geistig Behinderten und Geistesarmen? Da sie kein Bewusstsein
des Guten und des Schlechten haben, haben sie auch keine Verantwortlichkeit
ihrer Taten. Wäre Gott gerecht und gut, dumme Seelen geschaffen
zu haben, um sie einer elenden Existenz auszusetzen und das ohne Vergeltung?
Nehmt im Gegenteil an, das die Seele des Kretins und des Blödsinnigen
ein Geist ist, welcher als Strafe in einem Körper eingeschlossen
ist, der seine Gedanken auszudrücken untauglich ist, gleich einem
starken Mann, welchen Fesseln niederdrücken, und Ihr werdet nichts
mehr finden, was im Widerspruch mit der Gerechtigkeit Gottes wäre.
27. Da in seinen nach einander folgenden Inkarnationen der Geist
allmählich seine Unreinheiten abgelegt hat, und sich durch die
Arbeit vervollkommnet, so gelangt er ans Ende seiner körperlichen
Existenzen; dann gehört er der Klasse der reinen Geister oder
Engel an, und genießt zugleich die vollkommene Anschauung Gottes
und ein ungetrübtes und ewiges Glück.
28. Da die Menschen zur Buße auf der Erde sind, hat Gott als
ein guter Vater dieselben nicht sich selbst ohne Führer überlassen.
Zuerst haben sie ihre Schutzgeister oder ihre Schutzengel, welche
über sie wachen und sich bemühen, sie auf den guten Weg
zu führen. Sie haben ferner die Geister, welche auf der Erde
eine Mission haben, erhabene Geister, welche von Zeit zu Zeit unter
ihnen sich einverleiben, um durch ihr Wirken den Weg zu beleuchten
und die Menschheit vorrückend zu machen.
Obwohl Gott sein Gesetz in das Gewissen eingeprägt hat, hat er
es für gut gefunden, dieses auf eine ausdrückliche Art zu
formulieren. Er sandte ihnen zuerst Moses, aber die Gesetze Moses
waren für die Menschen seiner Zeit angemessen, er sprach zu ihnen
nur von dem irdischen Leben, von den zeitlichen Strafen und Belohnungen.
Christus ist nachher gekommen, um durch eine höhere Lehre das
Gesetz Moses zu vervollständigen: die Mehrheit der Existenzen,
das geistige Leben, die moralischen Strafen und Belohnungen. Moses
leitete sie durch die Furcht, Christus durch die Liebe zu Gott und
für ihren Nächsten.
29. Der Spiritismus ist die dritte auffallende Kundgabe der Macht und
Güte Gottes; er beweist die Zukunft durch klare Tatsachen, er sagt
in klaren und unanstößigen Worten das, was Christus in Parabeln
(Gleichnissen) sagte; er setzt auseinander die unbekannten oder falsch
gedeuteten Wahrheiten; er entschleiert die Existenz der unsichtbaren
Welt oder Geisterwelt, und weiht den Menschen in die Geheimnisse des
Zukünftigen ein; er kommt den Materialismus zu bekämpfen,
welcher eine Empörung gegen die Macht Gottes ist; er kommt endlich,
um unter den Menschen die Herrschaft der Nächstenliebe und der
von Christus angekündigten Solidarität zu begründen.
Moses hat geackert, Christus hat gesät, der Spiritismus kommt zu
ernten.
30. Der Spiritismus ist kein neues Licht, wohl aber ein helleres,
weil es auf allen Punkten der Erde durch die Stimme derjenigen, welche
gelebt haben, aufleuchtet. Indem er das klar macht, was dunkel war,
macht er den irrtümlichen Auslegungen ein Ende und wird die Menschen
zu einem und demselben Glauben vereinigen, weil es nur einen einzigen
Gott gibt und weil seine Gesetze für alle dieselben sind. Er
kennzeichnet endlich den Anfang der von Christus und den Propheten
angekündigten Zeiten.
31. Die Übel, welche die Menschen auf der Erde betrüben,
haben als Urgrund den Hochmut, den Egoismus und alle schlechten Leidenschaften.
Durch den gegenseitigen Einfluss ihrer Laster machen sich die Menschen
gegenseitig unglücklich und bestrafen sich einander. Möge
die Nächstenliebe und Demut den Egoismus und Hochmut ersetzen,
dann werden die Menschen nicht mehr trachten zu schaden; sie werden
die Rechte eines Jeden achten und werden unter sich die Eintracht
und die Gerechtigkeit herrschen machen.
32. Aber wie kann man den Egoismus und den Hochmut vernichten, welche
dem Herzen des Menschen angeboren zu sein scheinen? Der Egoismus und
der Hochmut sind in dem Herzen des Menschen, weil die Menschen Geister
sind, welche vom Anfang an dem Wege des Bösen gefolgt haben,
und welche auf die Erde zur Strafe für eben dieselben Laster
verbannt worden sind; das ist auch da die Erbsünde, welche Viele
noch nicht abgelegt haben. Durch den Spiritismus macht Gott einen
letzten Anruf zur Ausübung des Gesetzes, welches Christus gelehrt
hat: Ein Gesetz der Liebe zu Gott und für die Menschen.
33. Da die Erde an die angezeigte Zeit gelangt ist, um ein Aufenthalt
des Glückes und des Friedens zu werden, so will Gott nicht, dass
die bösen einverleibten Geister fortfahren, die Verwirrung zum
Nachteil der Guten zu unterhalten; deshalb werden sie verschwinden
müssen. Sie werden in weniger vorgerückten Welten ihre Hartnäckigkeit
sühnen, wo sie von neuem in einer Reihe von unglücklicheren
und mühsameren Existenzen als auf Erden an ihrer Vervollkommnung
arbeiten werden.
Sie werden auf diesen Welten eine neue besser aufgeklärte Rasse
bilden, deren Aufgabe es sein wird, die minder vorgerückten Wesen,
welche dieselben bewohnen, mit Hilfe ihrer erworbenen Kenntnisse fortschreiten
zu lassen. Sie werden dieselben für eine bessere Welt nur verlassen,
wenn sie es verdient haben werden, und so fort, bis sie die vollkommene
Reinigung erreicht haben. Wenn die Erde für dieselben ein Fegefeuer
war, so werden diese Welten ihre Höllen sein, aber eine Hölle,
wo die Hoffnung nie verbannt wird.
34. Während die verbannte Generation schnell verschwinden wird,
erhebt sich eine neue Generation, deren Glaubensbekenntnisse auf dem
christlichen Spiritismus begründet sein werden. Wir wohnen dem
Übergang, welcher vorgeht, bei, ein Vorspiel zu der moralischen
Erneuerung, von der der Spiritismus die Ankunft kennzeichnet.


 Grundsätze
aus der Lehre der Geister
Aus dem Buch: "Der Spiritismus in seinem einfachsten Ausdruck"
Allan Kardec. - 1. Aufl. -München: Spiritismus Verlag, 2005 ISBN
3-935824-02-5
1. Der wesentliche Zweck des Spiritismus ist die Verbesserung der
Menschen, man soll darin nur das suchen, was dem moralischen und intellektuellen
Fortschritt helfen kann.
2. Der wahre Spiritist ist nicht derjenige, welcher den Äußerungen
Gehör schenkt, sondern der, welcher die Lehre der Geister zur
Ausführung bringt. Es hilft uns nichts zu glauben, wenn der Glaube
uns nicht einen Schritt vorwärts auf dem Wege des Fortschrittes
machen lässt, und uns für unseren Nächsten nicht besser
macht.
3. Der Egoismus, der Hochmut, die Eitelkeit, der Ehrgeiz, die Habsucht,
der Hass, der Neid, die Eifersucht, die Verleumdung sind für
die Seele giftige Pflanzen, von denen man täglich einige Halme
ausreißen muss, und welche als Gegengift die Nächstenliebe
und Demut haben.
4. Der Glaube an den Spiritismus ist nur demjenigen vorteilhaft,
von dem man sagen kann: heute ist er besser als gestern.
5. Die Wichtigkeit, welche der Mensch den zeitlichen Gütern
beilegt, ist im entgegen gesetzten Verhältnis mit seinem Glauben
an das geistige Leben; der Zweifel über die Zukunft ist es, was
ihn antreibt, die Befriedigung seiner Leidenschaften, seine Freude
in dieser Welt zu suchen, und wäre es selbst auf Kosten seines
Nächsten.
6. Die Betrübnisse auf Erden sind die Heilmittel der Seele,
sie retten dieselbe für die Zukunft, wie eine schmerzhafte chirurgische
Operation das Leben eines Kranken rettet und ihm die Gesundheit wieder
gibt. Deswegen hat Christus gesagt: "Glücklich sind die
Betrübten, denn sie werden getröstet werden."
7. In euerer Betrübnis blickt unter euch und nicht über
euch, denkt an diejenigen, die noch mehr leiden als ihr.
8. Die Verzweiflung ist bei dem natürlich, welcher glaubt, das
alles mit dem Leben des Körpers endigt; sie ist ein Unsinn bei
dem, der Zutrauen in die Zukunft setzt.
9. Der Mensch ist oft der Urheber seines eigenen Unglückes auf
Erden; er kehre lieber zur Quelle seiner Missgeschicke zurück
und er wird sehen, dass sie am häufgsten nur die Folge seiner
Unvorsichtigkeit, seines Hochmutes und seiner Habgier, und folglich
seiner Übertretung der Gesetze Gottes sind.
10. Das Gebet ist eine Art der Anbetung. Zu Gott beten, heißt
an ihn denken, sich ihm nähern, mit ihm in Verkehr treten.
11. Derjenige, welcher inbrünstig und mit Zutrauen betet, ist gegen
die Versuchungen des Übels stärker und Gott schickt ihm gute
Geister, um ihm beizustehen; es ist eine Hilfe, welche nie versagt ist,
wenn sie mit Aufrichtigkeit verlangt wird.
12. Das Wesentliche liegt nicht darin, viel, sonder gut zu beten.
Gewisse Leute glauben, dass das ganze Verdienst in der Länge
des Gebetes liegt, während sie bei ihren eigenen Fehlern ihre
Augen schließen. Das Gebet ist für sie eine Beschäftigung,
eine Zeitanwendung, aber nicht eine Durchforschung ihres eigenen Wesens.
13. Derjenige, welcher Gott um die Verzeihung seiner Fehler bittet,
erlangt sie nur dann, wenn er sein Betragen ändert. Die guten
Handlungen sind das beste Gebet, denn die Taten gelten mehr als die
Worte.
14. Das Gebet ist von allen guten Geistern anempfohlen. Es ist überdies
von allen unvollkommenen Geistern als ein Hilfsmittel gewünscht,
um ihre Leiden zu erleichtern.
15. Das Gebet kann nicht die Ratschlüsse der Vorsehung ändern,
aber wenn die leidenden Geister sehen, dass man an ihrem Schicksale
Anteil nimmt, fühlen sie sich weniger verlassen, sie werden weniger
unglücklich; das Gebet ermuntert sie, erweckt in ihnen den Wunsch,
sich durch die Reue und die Wiedergutmachung zu erheben, und kann
sie von den Gedanken an das Übel abwenden. In diesem Sinne kann
es nicht nur ihre Leiden erleichtern, sondern auch abkürzen.
16. Bete jeder nach seiner Überzeugung und nach der Art, wie
er es am passendsten hält, denn die Form ist nichts, der Gedanke
alles; die Aufrichtigkeit und die Reinheit des Beweggrundes ist das
Wesentliche. Ein guter Gedanke ist mehr wert, als zahlreiche Worte,
welche dem Lärm einer Mühle ähnlich sind und denen
das Herz fremd ist.
17. Gott hat starke und mächtige Menschen gemacht, damit sie
die Stütze der Schwachen seien. Der Mächtige, welcher den
Schwachen unterdrückt, ist von Gott verdammt. Er bekommt oft
die Strafe dafür in diesem Leben, ohne der Zukunft vorzugreifen.
18. Der Reichtum ist ein anvertrautes Gut, dessen Besitzer nichts
als der Nutznießer ist, da er es nicht mit sich ins Grab nimmt;
er wird eine strenge Rechnung von dem Gebrauch ablegen müssen,
welchen er davon gemacht hat.
19. Das Vermögen gibt eine gefährlichere Prüfung als
die Armut, weil es eine Versuchung zum Missbrauch und zu Ausschweifungen
ist, und weil es schwerer ist, mäßig als ergeben zu sein.
20. Der Ehrgeizige, welcher stolziert, und der Reiche, welcher sich
an materiellen Genüssen weidet, sind mehr zu bedauern als zu
beneiden; denn man muss die Kehrseite berücksichtigen. Durch
die schrecklichen Beispiele von denjenigen, welche gelebt haben, und
welche kommen, uns ihr Schicksal zu entschleiern, zeigt der Spiritismus
die Wahrheit dieses Wortes Christi: "Wer sich erhöht, wird
erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden."
21. Die Nächstenliebe ist das höchste Gesetz Christi: "Liebt
Euch unter einander wie Brüder; -- liebt euren Nächsten
wie Euch selbst; -- verzeiht euren Feinden; -- tut nicht einem Anderen,
was Ihr nicht wollt, dass man Euch tue." Dies alles wird in dem
Wort Nächstenliebe begriffen.
22. Die christliche Liebe besteht nicht allein im Almosen, denn es
gibt eine Christenliebe in Gedanken, Worten und in Handlungen. Derjenige
übt die christliche Liebe in Gedanken, welcher nachsichtig für
die Fehler seines Nächsten ist; in Worten, welcher nichts sagt,
was seinem Nächsten schaden kann; in Handlungen, welcher seinem
Nächsten in dem Maße seiner Kräfte beisteht.
23. Der Arme, welcher sein Stück Brot mit Einem, der ärmer
als er ist, teilt, übt die christliche Liebe besser, und hat
mehr Verdienst vor den Augen Gottes, als derjenige, welcher von seinem
Überfluss gibt, ohne sich etwas zu versagen.
24. Wer gegen seinen Nächsten Gefühle der Erbitterung,
des Hasses, der Eifersucht und des Grolles nährt, unterlässt
die Christenliebe; er lügt, wen er sich einen Christen nennt
und beleidigt Gott.
25. Ihr Menschen aller Kasten, aller Religionen und aller Farben,
ihr seid alle Brüder; denn Gott ruft euch alle zu sich. Reicht
euch also die Hand, wie auch eure Art ihn anzubeten sei, und flucht
nicht gegeneinander; denn der Fluch ist die Übertretung des Gesetzes
der Liebe, welches Christus verkündigte.
26. Mit dem Egoismus sind die Menschen immer in fortwährendem
Streit; mit der Nächstenliebe werden sie im Frieden leben. Die
Nächstenliebe allein kann also, indem sie die Grundlage ihrer
Institutionen bildet, ihr Glück in dieser Welt fördern;
nach den Worten Christi kann sie auch allein ihr künftige Glück
sichern; denn sie enthält in sich alle Tugenden, welche sie zur
Vervollkommnung führen können. Mit der wahren Nächstenliebe,
wie Christus sie gelehrt und geübt hat, gibt es keinen Egoismus,
keinen Hochmut, keinen Hass, keine Eifersucht, keine Verleumdung mehr;
wie auch seinen übertriebenen Hang zu den Gütern dieser
Welt. Deswegen trägt der christliche Spiritismus als Motto: "Außerhalb
der Nächstenliebe kein Heil."


 Spiritistische
Phänomene
Vorbemerkung
Diejenigen, welche den Spiritismus nicht kennen und weder seinen
Zweck noch seine Mittel begreifen, bilden sich beinahe immer einen
ganz falschen Begriff davon. Was ihnen besonders abgeht, ist die Kenntnis
des Prinzips, der Hauptschlüssel der Erscheinungen. In dessen
Ermangelung ist, was sie sehen und hören, für sie ohne Nutzen
und selbst ohne Interesse. Es ist eine von der Erfahrung bestätigte
Tatsache, nämlich, dass der alleinige Anblick oder die Erzählung
von den Erscheinungen zum Überzeugen nicht hinreicht. Derjenige,
der selbst Zeuge von Tatsachen ist, die fähig wären, ihn
in Erstaunen zu setzen, ist mehr verwundert als überzeugt: je
außerordentlicher ihm die Wirkung erscheint, desto verdächtiger
ist sie ihm. Ein vorläufiges, ernstes Studium allein kann die
Überzeugung herbeiführen: oft genügt es schon, um den
Ideengang gänzlich zu verändern. In allen Fällen ist
ein solches Studium für das Verständnis der einfachsten
Erscheinungen unerlässlich. In Ermangelung eines vollständigen
Unterrichts wird ein kurz gefasster Überblick des Gesetzes, welches
die Kundgaben leitet, genügen, damit die Leute, die darin noch
nicht eingeweiht sind, die Sache unter ihrem wahren Gesichtspunkt
betrachten. Die folgende kurze Belehrung soll dieser erste Leitfaden
sein.
Diese Belehrung ist besonders in Hinsicht auf jene Personen gegeben,
die gar keine Kenntnis vom Spiritismus besitzen. In den spiritistischen
Gruppen oder Versammlungen, wo Anhänger anwesend sind, kann sie
je nach Bedarf als Einleitung zu den Sitzungen genutzt werden.
Von den Geistern
1. Der Spiritismus ist zugleich eine Beobachtungswissenschaft und
eine philosophische Lehre. Als praktische Wissenschaft besteht er
in den Beziehungen, die man mit den Geistern haben kann, als Philosophie
umfasst er alle moralischen Folgen, die aus diesem Verkehr fließen.
2. Die Geister sind keineswegs, wie man es sich oft vorstellt, besondere
Wesen in der Schöpfung, sie sind die Seelen derjenigen, die auf
Erden oder in anderen Welten gelebt haben. Die Seelen oder Geister
sind also Eins und Dasselbe, woraus folgt, dass jeder, der an das
Dasein der Seele glaubt, schon dadurch an die Existenz der Geister
glaubt. Die Geister zu leugnen, hieße es, die Seele zu leugnen.
3. Man hat allgemein einen sehr falschen Begriff von dem Zustand
der Geister; sie sind nicht, wie einige glauben, vage, unbestimmte
Wesen, weder Flammen wie die Irrlichter, noch Phantome wie in den
Gespenstermärchen. Es sind uns ähnliche Wesen, die einen
Leib haben wie wir, der aber im normalen Zustand fluidal und für
uns unsichtbar ist.
4. Wenn die Seele während des Lebens mit dem Leib verbunden
ist, hat sie eine doppelte Hülle, eine schwere, grobe und zerstörbare:
den Körper, und eine fluidale, leichte, unzerstörbare: Perisprit
oder Geisterhülle genannt. Das Perisprit ist das Band, welches
die Seele mit dem Leib vereinigt; durch seine Vermittlung lässt
die Seele den Leib wirken und empfangt sie die von diesem gehabten
Empfindungen. Die Vereinigung der Seele, des Perisprit und des materiellen
Leibes macht den Menschen; Seele und Perisprit vom Leib getrennt stellen
jenes Wesen dar, welches man Geist nennt.
5. Der Tod ist die Zerstörung der leiblichen Hülle; die
Seele verlässt diese Hülle wie man ein abgenütztes
Kleidungsstück ablegt, oder wie der Schmetterling seine Larve
verlässt, sie behält aber ihren fluidalen Leib, das Perisprit.
Der Tod des Leibes befreit den Geist von der Hülle, welche ihn
an die Erde fesselte und leiden machte; einmal dieser Last ledig,
hat er nur noch seinen ätherischen Leib, der ihm gestattet mit
der Schnelligkeit des Gedankens den Raum zu durcheilen und alle Entfernungen
zu überschreiten.
6. Die Geister bevölkern den Raum; sie machen die unsichtbare
Welt aus, die uns umgibt, in deren Mitte wir leben und mit welcher
wir unaufhörlich in Berührung stehen.
7. Die Geister haben alle Wahrnehmungsfähigkeiten, welche sie
auf Erden besaßen, aber in einem höheren Grad, weil diese
Fähigkeiten nicht durch die Materie abgestumpft werden; sie haben
Empfindungen, welche uns unbekannt sind; sie sehen und hören
Dinge, welche unsere beschränkten Sinne uns weder zu sehen noch
zu hören gestatten. Für sie gibt es keine Dunkelheit, diejenigen
ausgenommen, deren Strafe darin besteht, zeitweilig in der Finsternis
zu sein. Alle unsere Gedanken finden in ihnen ihren Widerhall, und
sie lesen darin wie in einem offenen Buch, so dass was wir Jemandem
während seines Lebens verbergen könnten, wir ihm nicht mehr
verheimlichen können, sobald er ein Geist ist.
8. Die Geister behalten die ernsten Neigungen, die sie auf der Erde
hatten. Sie kommen gerne zu denen, die von ihnen geliebt wurden, besonders
wenn sie durch den Gedanken und die liebevollen Gefühle angezogen
werden, die man für sie hegt, während sie gegen jene gleichgültig
sind, die auch für sie nur Gleichgültigkeit zeigen.
9. Eine bei den Personen, die den Spiritismus nicht kennen, fast
allgemeine Vorstellung ist die, dass sie glauben, die Geister müssen
schon darum, weil sie von der Materie befreit sind, alles wissen und
die höchste Weisheit besitzen. Das ist ein schwerer Irrtum.
Da die Geister nur die Seelen der Menschen sind, so haben diese Seelen
mit dem Verlassen ihrer irdischen Hülle keineswegs die Vollkommenheit
erlangt. Der Fortschritt des Geistes vollzieht sich erst mit der Zeit,
und allmählich nur entledigt er sich seiner Unvollkommenheiten
und erwirbt die Kenntnisse, die ihm fehlen. Es wäre eben so unlogisch
anzunehmen, dass der Geist eines Wilden oder Verbrechers plötzlich
weise und tugendhaft werde, als es der Gerechtigkeit Gottes entgegen
sein würde, zu denken, er werde immerfort auf seiner niederen
Stufe bleiben.
Wie es Menschen von allen Graden des Wissens und der Unwissenheit,
der Gute und der Bosheit gibt, so verhält es sich auch mit den
Geistern. Es gibt deren, die nur leichtsinnig und schalkhaft sind;
andere sind lügnerisch, betrügerisch, heuchlerisch, böse,
rachsüchtig; andere hingegen besitzen die erhabensten Tugenden
und das Wissen in einem auf Erden unbekannten Grad. Diese Verschiedenheit
in der Eigenschaft der Geister ist einer der wichtigsten, zu berücksichtigenden
Punkte; denn sie erklärt die gute oder schlechte Beschaffenheit
der Mitteilungen, welche man erhält; und sie zu erkennen, muss
man sich vor allem angelegen sein lassen. (Buch der Geister, Nr. 100,
Geister-Stufenleiter. Buch der Medien, Kapitel XXVI.)
Kundgaben der Geistern
1. Die Geister können sich auf viele und verschiedene Arten
kundgeben: durch das Gesicht, Gehör, Gefühl, durch Geräusch,
Bewegungen von Körpern, durch Schrift, Zeichnen, Musik und dergleichen.
Sie offenbaren sich durch die Vermittlung von für jede Gattung
der Mitteilungen mit einer besonderen Fähigkeit begabten Personen,
die man unter dem Namen "Medien" bezeichnet. So unterscheidet
man: sehende, sprechende, hörende, fühlende, zu physischen
Wirkungen geeignete, zeichnende, klopfende, schreibende und andere
Medien. Unter den schreibenden Medien gibt es zahlreiche Verschiedenheiten,
je nach der Beschaffenheit der Mitteilungen, die sie zu empfangen
tauglich sind.
2. Das Fluidum, aus welchem das Perisprit besteht, dringt durch alle
Körper, und zwar wie das Licht die durchsichtigen Körper
durchdringt; kein Stoff bietet ihm ein Hindernis. Deswegen dringen
die Geister überall, selbst in die hermetisch verschlossenen
Orte ein; es ist lächerlich zu glauben, dass sie sich durch eine
kleine Öffnung, wie durch ein Schlüsselloch oder durch den
Kamin einführen.
3. Das Perisprit, obgleich im normalen Zustand für uns unsichtbar,
ist darum nicht weniger eine ätherische Materie. Der Geist kann
in gewissen Fällen machen, dass es eine Art molekulare Veränderung
eingeht, die ihn sichtbar und sogar fühlbar werden lassen, so
entstehen die Erscheinungen. Dieses Phänomen ist nicht außerordentlicher
als das des Dunstes, der, wenn er sehr dünn, unsichtbar ist,
und sichtbar wird, wenn er sich verdichtet.
Die Geister, welche sich sichtbar machen, zeigen sich beinahe immer
unter den Formen, die sie während ihres Lebens besaßen
und die sie kenntlich machen können.
4. Mittels seines Perisprits wirkte der Geist auf seinen lebenden
Körper; mittels dieses selben Fluidums offenbart er sich auch,
indem er auf die träge Materie einwirkt, bringt er das Geräusch,
die Bewegungen von Tischen und anderen Gegenständen hervor, die
er in die Höhe hebt, umstürzt oder fortträgt. Diese
Erscheinung hat nichts Überraschendes an sich, wenn man berücksichtigt,
dass, unter uns, die mächtigsten Motoren sich in den dünnsten
und sogar unwägbaren Fluida befinden, wie Luft, Dunst, Elektrizität.
Mit Hilfe ebenfalls seines Perisprits lässt der Geist die Medien
schreiben, sprechen oder zeichnen; da er keinen fühlbaren Körper
hat, um, wenn er sich offenbaren will, für uns wahrnehmbar zu
handeln, so bedient er sich des Körpers des Mediums, dessen Organe
er borgt, und das er so wirken lässt, wie wenn es sein eigener
Leib wäre, und zwar durch das Fluidum, welches er über dasselbe
ausströmt.
5. In dem mit dem Namen sich bewegender oder sprechender Tische bezeichneten
Phänomene wirkt der Geist durch das nämliche Mittel auf
den Tisch ein, um ihn entweder ohne bestimmte Bedeutung in Bewegung
zu setzen, oder um ihn intelligente Schläge machen zu lassen,
die auf Buchstaben des Alphabets hinweisend, Wörter und Sätze
bilden, eine Erscheinung, die Typtologie (Klopfsprache) genannt wird.
Der Tisch ist dabei nur ein Werkzeug, dessen er sich wie des Bleistifts
zum Schreiben bedient; er verleiht ihm eine momentane Lebenstätigkeit
durch das Fluidum, mit dem er ihn durchdringt, allein er identifiziert
sich nicht mit ihm. Die Personen, welche bei Kundgabe eines ihnen
teueren Wesens in ihrer Anregung den Tisch küssen, begehen eine
lächerliche Handlung, denn es ist gerade so, wie wenn sie den
Stock eines Freundes küssten, womit derselbe klopft. Ebenso verhält
es sich mit denen, die den Tisch anreden, als wäre der Geist
im Holz eingeschlossen, oder das Holz Geist geworden.
Wenn Mitteilungen durch dieses Mittel stattfinden, muss man sich den
Geist nicht im Tisch, sondern neben demselben vorstellen, sowie er
im Leben war und wie man ihn sehen würde, wenn er sich in diesem
Augenblick sichtbar machen könnte. Dasselbe findet in den Mitteilungen
durch die Schrift statt: man würde den Geist an der Seite des
Mediums sehen, wie er dessen Hand leitet, oder ihm seinen Gedanken
durch einen fleißigen Strom überträgt.
6. Wenn der Tisch sich vom Boden trennt und ohne Stütze im Raum
schwebt, hebt der Geist denselben nicht kraft seiner Arme, sondern er
umhüllt und durchdringt ihn mit einer Art fluidaler Atmosphäre,
welche die Wirkung der Schwere neutralisiert, wie es die Luft mit den
Luftballons und den Papierdrachen tut. Das Fluidum, womit er durchdrungen
ist, gewährt ihm für den Augenblick eine größere
spezifische Leichtigkeit. Wenn er an den Boden genagelt ist, befindet
er sich in einem Fall, ähnlich dem der pneumatischen Glocke, unter
welcher man die Luft ausgepumpt hat. Es sind dies nur Vergleiche, um
die Analogie der Wirkungen, nicht aber die absolute Ähnlichkeit
der Ursachen zu zeigen.
Man begreift hiernach, dass es für den Geist nicht schwerer ist,
eine Person als einen Tisch vom Boden zu heben, einen Gegenstand von
einem Ort an einen anderen zu versetzen, oder ihn wohin zu schleudern;
diese Phänomene finden nach einem und demselben Gesetz statt.
Wenn der Tisch Jemanden verfolgt, ist es nicht der Geist, welcher läuft,
denn er kann ruhig an seinem Platz bleiben, aber er ist der, welcher
dem Tisch den Impuls durch einen fluidalen Strom gibt, mittels dessen
er ihn nach seinem Gutdünken bewegt.
Wenn sich Schläge im Tisch oder anderswo hören lassen, so
klopft der Geist weder mit seiner Hand noch mit irgendeinem Gegenstand;
er richtet auf den Punkt, von dem das Geräusch ausgeht, einen Strahl
Fluidum, der die Wirkung eines elektrischen Schlages hervorbringt. Er
ändert das Geräusch, wie man den von der Luft hervorgebrachten
Schall verändern kann.
7. Die zur Hervorbringung gewisser physischer Wirkungen notwendige
Dunkelheit leistet ohne Zweifel dem Verdacht und Betrug Vorschub,
beweist aber nichts gegen die Möglichkeit der Tatsache. Man weiß,
dass es in der Chemie Verbindungen gibt, die beim Licht sich nicht
bewerkstelligen können, dass Verbindungen und Zersetzungen unter
der Einwirkung des Lichtfluidums stattfinden; da nun alle spiritistischen
Phänomene das Ergebnis der Verbindung der dem Geist und dem Medium
eigenen Fluida ist, und diese Fluida Materie sind, so ist nichts erstaunliches
daran, dass in gewissen Fällen das Lichtfluidum dieser Verbindung
hinderlich ist.
8. Die höheren Geister beschäftigen sich nur mit intelligenten
Mitteilungen in Absicht auf unsere Belehrung; die physischen oder
rein materiellen Kundgaben liegen ganz besonders in den Eigenheiten
der gemeinhin mit dem Namen "Klopfgeister" bezeichneten
niederen Geister, wie unter uns Kunststücke Sache der Marktschreier,
nicht aber der Gelehrten sind.
9. Die Geister sind frei, sie offenbaren sich wann sie wollen, wenn
es ihnen beliebt und auch wenn sie können, denn es ist ihnen
nicht immer möglich. Sie stehen nicht jedem nach seiner Laune
oder Befehle zur Verfügung; es kann sie Niemand wider ihren Willen
kommen, noch sagen lassen, was sie verschweigen wollen; so dass Keiner
zu behaupten vermag, dass irgend ein Geist in einem bestimmten Moment
auf seine Aufforderung erscheinen, oder auf die oder jene Frage antworten
werde. Wer das Gegenteil sagt, beweist seine vollständigste Unkenntnis
der Anfangsgründe des Spiritismus, die Marktschreierei (Scharlatanismus)
allein besitzt Quellen der Unfehlbarkeit.
10. Es gibt Personen, welche regelmäßig und gewissermaßen
willkürlich gewisse Phänomene hervorbringen können; allein
man muss bemerken, dass es immer rein physische, mehr sonderbare als
belehrende Wirkungen sind und welche beständig unter analogen Bedingungen
hervorgebracht werden. Die Umstände, unter welchen man sie erlangt,
sind derart, dass sie einen noch mehr berechtigten Zweifel über
ihre Wirklichkeit einflößen, als sie allgemein der Gegenstand
einer Ausbeutung sind und es oft schwer ist, die wirkliche Mediumschaft
von der Taschenspielerei zu unterscheiden. Erscheinungen dieser Art
können jedoch auch das Produkt einer wahren Mediumschaft sein,
denn es ist möglich, dass Geister niederer Stufe, die vielleicht
im Leben dieses Handwerk getrieben haben, an solchen Produktionen Gefallen
finden; es wäre aber albern zu denken, dass nur etwas höhere
Geister sich mit derlei Schaustellungen abgeben.
Dieses aber schwächt den Grundsatz von der Freiheit der Geister
nicht ab, diejenigen, welche so kommen, tun es, weil es ihnen beliebt,
nicht aber, weil sie dazu gezwungen sind, und von dem Augenblick an,
wo es ihnen zu kommen nicht mehr passte, würde, wenn das Individuum
wirklich Medium ist, keine Wirkung mehr erzielt werden. Die kräftigsten
Medien für physische oder andere Wirkungen haben von ihrem Willen
unabhängige Zeiten der Unterbrechung. Die Scharlatane haben das
nicht.
Übrigens sind diese Phänomene, vorausgesetzt dass sie wirklich
sind, nur eine sehr teilweise Anwendung des Gesetzes, welches die Beziehungen
der Körperwelt mit der Geisterwelt leiten, machen aber den Spiritismus
nicht aus; so dass ihre Inabredestellung die allgemeinen Grundsätze
der Lehre in nichts abschwächen würde.
11. Gewisse spiritistische Kundgaben geben sich leicht zu einer mehr
oder minder groben Nachahmung her; daraus aber, dass sie, wie so viele
andere Phänomene, von der Gaukler- und Taschenspielerkunst haben
ausgebeutet werden können, zu schließen, dass sie nicht
existieren, wäre absurd.
Für denjenigen, der die normalen Bedingungen, unter welchen sie
sich vollziehen können, studiert hat und kennt, ist es leicht
die Nachahmung von der Wirklichkeit zu unterscheiden; übrigens
kann die Nachahmung nie vollständig sein, und kann nur den Unwissenden
täuschen, der unfähig ist, die charakteristischen Schattierungen
des echten Phänomens zu fassen.
12. Die Manifestationen, die am leichtesten nachzuahmen sind, sind
gewisse physische Wirkungen, und die niederen intelligenten Wirkungen,
wie Bewegungen, geklopfte Schläge, Herbeitragungen von Gegenständen,
unmittelbare Schrift, allgemeine Antworten usw.; es verhält sich
aber nicht so mit den intelligenten Mitteilungen von hoher Einsicht
oder mit der Offenbarung von Dingen, die dem Medium offenbar unbekannt
sind; zur Nachahmung der ersten braucht man weiter nichts als Gewandtheit;
um die anderen nachzuahmen, müsste man beinahe immer ungewöhnliche
Kenntnisse, eine außerordentliche Geistesüberlegenheit
und eine Fähigkeit sozusagen allumfassender Improvisation oder
die Gabe des Wahrsagens besitzen.
13. Die Darstellungen von Gespenstern auf den Theatern sind mit Unrecht
als mit den Erscheinungen der Geister in Beziehung stehend angesehen
worden, von denen sie nur eine grobe und unvollkommene Nachahmung
sind. Man muss mit den ersten Elementen des Spiritismus unbekannt
sein, um hierin die geringste Ähnlichkeit zu sehen und glauben
zu können, dass man in den spiritistischen Versammlungen sich
mit solchen Dingen befasse. Die Geister werden auf Befehl von niemandem
sichtbar, sondern durch ihren eigenen Willen und unter besonderen
Bedingungen, die hervorzurufen in Macht von niemandem steht.
14. Die spiritistischen Anrufungen bestehen nicht darin, wie einige
sich vorstellen, die Toten in ihren Leichengewändern aus ihrem
Grab steigen zu lassen. Nur in den Romanen, in den phantastischen
Gespenstermärchen und auf dem Theater sieht man die fleischlosen
Leichen aus ihren Gräbern steigen, gehüllt in ihre Leichentücher
und mit ihren Gebeinen klappernd. Der Spiritismus, der nie Wunder
gewirkt, hat eben so wenig jenes, wie andere getan, und nie hat er
einen Toten wieder lebendig gemacht; wenn der Leib in der Grube ist,
so ist er wohl für beständig darin; aber das geistige, fluidale,
intelligente Wesen ist nicht mit seiner groben Hülle hineingelegt
worden; es hat sich im Augenblick des Todes von ihr getrennt, und
ist die Trennung einmal bewirkt, dann hat es nichts mehr mit ihr gemein.
15. Es hat der übel wollenden Kritik beliebt, die spiritistischen
Mitteilungen als umgeben von den lächerlichen und abergläubischen
Praktiken der Magie und Totenbeschwörung hinzustellen. Wir werden
einfach sagen, dass es, um mit den Geistern zu verkehren, weder Tage,
Stunden noch Orte gibt, wovon die einen günstiger dafür
wären, als die anderen; dass es zu ihrer Anrufung weder Formeln
noch sakramentaler oder kabbalistischer Worte bedarf; dass keine Vorbereitung
noch Einweihung dazu nötig ist; dass die Anwendung eines materiellen
Zeichens oder Gegenstandes, sei es um sie anzuziehen oder zurückzuweisen,
ohne Wirkung ist und dass der Gedanke genügt; endlich dass die
Medien ihre Mitteilungen auf eine so einfache und natürliche
Weise erhalten, wie wenn sie von einer lebenden Person diktiert würden,
ohne aus dem normalen Zustand heraus zu treten. Die Marktschreierei
allein könnte ein exzentrisches Benehmen heucheln und demselben
ein lächerliches Zugehör hinzufügen.
Die Anrufung der Geister geschieht im Namen Gottes mit Ehrfurcht und
Sammlung; dies ist das einzige, was ernsten Leuten empfohlen sei,
die in Verkehr mit ernsten Geistern treten wollen.
16. Die intelligenten Kommunikationen, die man von den Geistern erhält,
können gut oder schlecht, richtig oder falsch, tief oder seicht
sein, je nach der Natur der Geister, die sich kundgeben. Diejenigen,
welche von Weisheit und Wissen Beweise geben, sind vorgerückte
Geister, welche Fortschritte gemacht haben; die, welche Unwissenheit
und schlechte Eigenschaften beweisen, sind noch zurückgebliebene
Geister, bei denen aber mit der Zeit der Fortschritt eintreten wird.
Die Geister können nur auf das antworten, was sie nach ihrem
erlangten Fortschritt wissen, und überdies was ihnen zu sagen
erlaubt ist; denn es gibt Dinge, die sie nicht offenbaren dürfen,
weil es den Menschen noch nicht gegeben ist, alles zu erfahren.
17. Aus der Verschiedenheit in den Eigenschaften und Fähigkeiten
der Geister geht hervor, dass es nicht genügt, sich an welchen
Geist immer zu wenden, um eine auf jede Frage richtige Antwort zu
erhalten; denn über viele Dinge kann er nur seine persönliche
Meinung abgeben, die richtig oder falsch sein kann. Wenn er vernünftig
ist, wird er seine Unkenntnis in dem, was er nicht weiß, eingestehen;
wenn er leichtsinnig oder lügnerisch ist, wird er auf alles antworten
ohne sich um die Wahrheit zu kümmern; ist er hochmütig,
so wird er seinen Gedanken als eine ausgemachte Wahrheit geben. Es
wäre also Unklugheit und Leichtsinn, alles, was von den Geistern
kommt, ohne Kontrolle anzunehmen. Darum ist es von Wesentlichkeit,
über die Natur derjenigen, mit denen man zu tun hat, im Klaren
zu sein. (Buch der Medien - Nr. 267).
18. Man erkennt die Eigenschaft der Geister an ihrer Sprache: die
der wirklich guten und höheren ist immer würdig, edel, logisch,
von Widersprüchen frei; sie atmet Weisheit, Wohlwollen, Bescheidenheit
und die reinste Moral; sie ist kurz gefasst und ohne unnütze
Worte. Bei den untergeordneten, unwissenden oder hochmütigen
Geistern wird die Leere der Gedanken beinahe immer durch den Überfluss
an Worten ausgeglichen. Jeder augenscheinlich falsche Gedanke, jeder
der gesunden Moral widersprechende Grundsatz, jeder lächerliche
Rat, jeder rohe, gemeine oder bloß leichtfertige Ausdruck, endlich
jedes Zeichen von Übelwollen, Dünkel oder Anmaßung
sind bei einem Geist unbestreitbare Merkmale von Niedrigkeit.
19. Der providentielle Zweck der Manifestationen ist die Ungläubigen
zu überzeugen, dass mit dem irdischen Leben nicht alles für
den Menschen aufhört, und den Gläubigen richtigere Begriffe
von der Zukunft zu geben. Die guten Geister kommen, uns in Absicht auf
unsere Besserung und unser Fortschreiten zu unterrichten und nicht um
uns das zu offenbaren, was wir noch nicht wissen, oder durch unsere
eigene Bemühung erfahren sollen. Wenn es genügte die Geister
zu befragen, um die Lösung wissenschaftlicher Schwierigkeiten zu
erlangen, oder um Entdeckungen und gewinnreiche Erfindungen zu machen,
so könnte jeder Unwissende wohlfeil ein Gelehrter und jeder Faule
ohne Mühe reich werden; das will aber Gott nicht. Die Geister helfen
dem Mann von Geist durch die verborgene Eingebung, aber sie entheben
ihn der Arbeit und der Forschung nicht, um ihm deren Verdienst zu lassen.
20. Es hieße von den Geistern einen sehr falschen Begriff haben,
wollte man in ihnen Wahrsagergehilfen sehen; die ernsten Geister versagen
es, sich mit nichtigen Dingen abzugeben; die leichtsinnigen und spöttischen
Geister beschäftigen sich mit allem, antworten auf alles, sagen
alles was man will voraus, ohne sich um die Wahrheit zu kümmern
und machen sich ein boshaftes Vergnügen daraus, die allzu Leichtgläubigen
zu mystifizieren; darum ist es wichtig, über die Beschaffenheit
der Fragen, die man an die Geister richten kann, vollkommen klar zu
sein. (Buch der Medien - Nr. 286: "Fragen, die man an die Geister
stellen kann.")
21. Die Kundgaben sind demnach nicht bestimmt, den materiellen Interessen
zu dienen, deren Sorge dem Verstand, der Beurteilung und der Tätigkeit
des Menschen überlassen ist. Vergebens würde man versuchen,
sie dazu zu verwenden, um die Zukunft kennen zu lernen, verborgene
Schätze zu entdecken, Erbschaften zu erlangen oder die sich zu
bereichernden Mittel zu finden.
Ihr Nutzen besteht in den moralischen Folgen, die daraus erfließen;
wäre aber ihr Resultat auch nur die Kenntnis eines neuen Gesetzes
der Natur, der materielle Beweis von der Existenz der Seele und ihrer
Unsterblichkeit, so wäre dies schon viel, denn dies wäre
ein der Philosophie eröffneter breiter, neuer Weg.
22. Aus diesen wenigen Worten kann man ersehen, dass den spiritistischen
Kundgaben, wie sie auch beschaffen sein mögen, nichts übernatürliches
noch wunderbares an sich haben. Es sind Phänomene, die kraft
des Gesetzes hervorgebracht werden, welches die Beziehungen der körperlichen
und geistigen Welt leitet, eines Gesetzes, das eben so natürlich
als das der Elektrizität, der Schwere usw. ist. Der Spiritismus
ist die Wissenschaft, welche uns dieses Gesetz kennen lehrt, wie die
Mechanik uns das der Bewegung, die Optik das des Lichtes lehrt. Da
die spiritistischen Kundgaben in der Natur liegen, so haben sie zu
allen Zeiten stattgefunden; das Gesetz, welches sie regiert, einmal
erkannt, erklärt uns eine Menge für unlöslich angesehener
Probleme, es ist der Schlüssel für eine Menge von Erscheinungen,
die durch den Aberglauben ausgebeutet und vergrößert worden
sind.
23. Nachdem das Wunderbare vollständig entfernt ist, so haben
diese Phänomene nichts mehr, was der Vernunft widerstrebt, denn
sie nehmen jetzt ihre Stelle neben den anderen Naturerscheinungen
ein. In den Zeiten der Unwissenheit wurden alle Wirkungen, deren Ursache
man nicht kannte, für übernatürlich gehalten; die Entdeckungen
der Wissenschaft haben allmählich den Kreis des Wunderbaren beschränkt;
die Kenntnis dieses neuen Gesetzes vernichtet ihn gänzlich. Diejenigen
also, die den Spiritismus beschuldigen, dass er das Wunderbare wieder
erwecke, beweisen schon dadurch, dass sie von einer Sache sprechen,
die sie nicht kennen.
Von den Medien
1. Das Medium besitzt nur die Fähigkeit mit den Geistern in
Verkehr zu treten, die wirkliche Mitteilung aber hängt von dem
Willen der Geister ab. Wenn die Geister keine Kundgabe machen wollen,
erhält das Medium nichts; es ist wie ein Instrument ohne Tonkünstler.
2. Die Schwierigkeit der Mitteilungen hängt von dem Grad der
Verwandtschaft (Affinität) ab, welcher zwischen den Fluida des
Mediums und des Geistes besteht. Jedes Medium ist so mehr oder weniger
geeignet, den Eindruck oder Impuls des Gedankens dieses oder jenes
Geistes zu empfangen; es kann für den Einen ein gutes, für
den Anderen ein schlechtes Instrument sein. Daraus ergibt sich, dass,
wenn zwei gleich begabte Medien neben einander sitzen, ein Geist sich
durch das Eine offenbaren kann, durch das Andere nicht.
Es ist also ein Irrtum zu glauben, es genüge Medium zu sein,
um mit gleicher Leichtigkeit von jedem Geist Mitteilungen zu erhalten.
Es gibt keine Universalmedien. Die Geister suchen vorzugsweise die
Instrumente, welche zum Einklang mit ihnen stimmen.
Ohne die Harmonie, welche allein die fluidale Verschmelzung herbeiführen
kann, sind die Mitteilungen unmöglich, unvollständig oder
falsch. Sie können darum falsch sein, weil in Ermangelung des
gewünschten Geistes, es an anderen nicht fehlt, die bereit sind,
die Gelegenheit zu einer Kundgabe zu ergreifen und die sich um die
Wahrheit sehr wenig kümmern.
3. Eine der größten Klippen für die Mediumschaft
ist die Umsessenheit (aus dem Französischen "Obsession"),
d. h. die Herrschaft, welche gewisse Geister über die Medien
üben können, indem sie sich ihnen unter falschen Namen aufdringen
und sie mit anderen Geistern zu verkehren hindern.
4. Was das eigentliche Medium ausmacht, ist die Fähigkeit; in
dieser Hinsicht kann es mehr oder weniger gebildet, mehr oder weniger
entwickelt sein. Was das Medium zu einem sicheren, zu einem solchen
macht, das man wahrhaft als ein gutes Medium bezeichnen kann, ist
die Anwendung der Fähigkeit, die Eignung den guten Geistern als
Dolmetscher zu dienen. (Buch der Medien, Kapitel XXIII.).
5. Die Mediumschaft ist eine wesentlich bewegliche und unstete Fähigkeit,
aus dem Grunde, weil sie dem Willen der Geister untergeordnet ist;
darum ist sie Unterbrechungen unterworfen. Dieser Grund und das Prinzip,
demzufolge die Mitteilung stattfindet, verhindern, dass sie zum einträglichen
Gewerbe werde, da sie weder andauernd, noch auf alle Geister anwendbar
sein, und gerade in dem Augenblick versagen kann, wo man sie nötig
hätte. Es ist übrigens nicht vernünftig anzunehmen,
dass ernste Geister sich dem ersten Besten zur Verfügung stellen,
der sie ausbeuten möchte.
6. Es ist im Allgemeinen die Neigung der Ungläubigen, die Redlichkeit
der Medien zu verdächtigen und die Anwendung betrügerischer
Mittel zu vermuten. Außerdem, dass in Rücksicht auf gewisse
Personen eine solche Vermutung beleidigend wäre, muss man sich
doch vor Allem fragen, welches Interesse sie haben könnten, zu
betrügen und Komödie zu spielen oder spielen zu lassen.
Die beste Bürgschaft für die Aufrichtigkeit liegt in der
absoluten Uneigennützigkeit; denn da, wo nichts zu gewinnen ist,
hat die Marktschreierei keinen Grund des Vorhandenseins.
Was die Wirklichkeit der Phänomene betrifft, so kann sie jeder
dartun, wenn man sich in die günstigen Bedingungen versetzt,
und wenn man die zur Beobachtung der Tatsachen notwendige Geduld,
Ausdauer und Unparteilichkeit mitbringt.
Von den spiritistischen. Versammlungen
1. Die Geister werden durch die Sympathie, die Ähnlichkeit der
Neigungen und der Charaktere (Affinität), die Absicht, die ihre
Anwesenheit erwünscht sein lässt, angezogen. Die höheren
Geister gehen ebensowenig in unnütze Versammlungen, wie ein Gelehrter
aus der Erde in eine Gesellschaft junger Unbesonnener gehen würde.
Der bloße gesunde Menschenverstand sagt schon, dass es nicht
anders sein kann; oder wenn sie zuweilen hingehen, so geschieht es,
um einen heilsamen Rat zu geben, Laster zu bekämpfen, zu trachten,
auf den guten Weg zurückzuführen; wenn sie kein Gehör
finden, ziehen sie sich zurück. Es wäre eine vollständig
falsche Idee zu glauben, die ernsten Geister fänden ein Wohlgefallen
daran, auf ein leeres Geschwätz, auf müßige Fragen
zu antworten, die weder Anhänglichkeit, noch Achtung für
sie, noch den wirklichen Wunsch sich zu belehren beweisen, und noch
weniger, dass sie kommen möchten, zur Belustigung der Neugierigen
sich öffentlich zur Schau zu stellen. Sie hätten es bei
ihren Lebzeiten nicht getan, sie können es nach ihrem Tode nicht
tun.
2. Die Leere der Versammlungen hat das Ergebnis, dass sie die leichtsinnigen
Geister anzieht, welche nur die Gelegenheit suchen, zu täuschen
und zu foppen. Aus demselben Grunde, aus welchem gesetzte ernste Männer
nicht in die leichtsinnigen Gesellschaften gehen, gehen auch die ernsten
Geister nur in die ernsten Versammlungen, deren Zweck die Belehrung,
nicht die Neugierde ist; in den Zusammenkünften dieser Art geben
die höheren Geister mit Wohlgefallen ihre Unterweisungen.
3. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich als erste Bedingung, damit
eine spiritistische Zusammenkunft nutzbringend werde, dass sie ernst
und gesammelt sei; dass darin alles achtungsvoll, gewissenhaft und
mit Würde vor sich gehe, wenn man den gewohnten Beistand der
guten Geister erhalten will. Man darf nicht vergessen, dass, wenn
diese Geister während ihres Lebens da aufgetreten wären,
man ihnen Rücksichten bewiesen hätte, auf welche sie nach
ihrem Tode noch ein größeres Recht haben.
4. Vergebens führt man den Nutzen gewisser auffallender, leerer
und unterhaltender Experimente an, um die Ungläubigen zu überzeugen:
man gelangt gerade zu einem entgegengesetzten Ergebnis. Der Ungläubige,
der über die heiligsten Glaubenspunkte schon zu spotten geeignet
ist, kann in dem, woraus man einen Scherz macht, nichts Ernstes sehen:
er kann nicht dahin gebracht werden, das zu achten, was ihm nicht
auf eine achtbare Weise vorgestellt wird; auch nimmt er aus den leichtsinnigen,
leeren Versammlungen, aus denen, worin weder Ordnung, noch Ernst,
noch Sammlung herrscht, immer einen schlechten Eindruck mit. Was ihn
besonders zu überzeugen vermag, ist der Beweis der Gegenwart
von Wesen, deren Andenken ihm teuer ist; vor ihren ernsten, feierlichen
Worten, vor ihren innigen Offenbarungen sieht man ihn erschüttert
werden und erblassen. Aber eben dadurch, dass er vor der Person, deren
Seele sich ihm ankündigt, mehr Achtung, Verehrung und Anhänglichkeit
hat, wird er verletzt, nimmt er Ärgernis daran, sie in einer
unachtbaren Gesellschaft, zwischen tanzenden Tischen und albernen
Witzen leichtsinniger Geister zu sehen; so ungläubig er ist,
weist sein Gewissen dieses Bündnis des Ernsten mit dem Leichtfertigen,
des Religiösen mit dem Gemeinen zurück; darum betrachtet
er dies alles als Gaukelei, und geht oft weniger überzeugt fort,
als er gekommen ist.
Versammlungen dieser Art stiften mehr Übel als Gutes, denn sie
entfernen von der Lehre mehr Personen als sie ihr zuführen, abgesehen
davon, dass sie eine Blöße dem Tadel der Schmäher
bieten, die in solchem Vorgehen wohlbegründete Ursachen zum Spotte
finden.

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