Geeak e.V. - Spiritistische Studiengruppe Allan Kardec in München Seite in PortugiesischSeite in PortugiesischImpressumKontakt
Der Geeak e.V. - Spiritistische Studiengruppe Allan Kardec in München, Deutschland, praktiziert den christlich-spiritistischen
Glauben durch Brüderlichkeit, Gebet und das gemeinsame Studium der Philosophie des Spiritismus nach Allan Kardec.


Grundlage des Spiritismus

01. Was es ist
02. Was er offenbart
03. Was er umfasst
04. Was er lehrt
05. Spiritistische Praxis
05. Inhalt der Lehre der Geister
06. Grundsätze aus der Lehre der Geister
07. Spiritistische Phänomene





Was es ist

Es sind die in den Werken von Allan Kardec enthaltenen Prinzipien und Gesetze, die von den höheren Geistern offenbart wurden. Diese Werke bilden die sogenannte "Spiritistische Kodifikation" (Spiritistische Erfassung): Das Buch der Geister, Das Buch der Medien, Das Evangelium im Lichte des Spiritismus, Der Himmel und die Hölle und Die Genesis.

"Der Spiritismus ist eine Wissenschaft, die sowohl die Natur, den Ursprung und das Schicksal der Geister, als auch ihre Beziehungen mit der körperlichen Welt erforscht."
Allan Kardec (Über das Wesen des Spiritismus - Präambel)

"Der Spiritismus verwirklicht, was Jesus über den versprochenen Tröster behauptete (Johannes 14:15-17,26): Die Kenntnis aller Dinge, damit der Mensch erfährt, woher er kommt, wohin er geht und warum er auf der Erde ist; er zieht einen zu den wahren Prinzipien des göttlichen Gesetzes an und tröstet durch den Glauben und durch die Hoffnung."
Allan Kardec (Das Evangelium im Lichte des Spiritismus - Kapitel VI - 4)






Was er offenbart

Er offenbart neue und tiefere Konzepte in Bezug auf Gott, auf das Universum, auf den Menschen, auf Geister und auf die Gesetze, die das Leben regeln. Er offenbart dazu, was wir sind, woher wir kamen, wohin wir gehen werden, was das Ziel unserer irdischen Existenz ist und welchen Sinn Schmerzen und Leiden haben.






Was er umfasst

Indem er neue Konzepte über den Menschen und alles um ihn herum einbringt, beruht der Spiritismus auf allen Bereichen des Wissens, der Aktivitäten und des Verhaltens des Menschen und öffnet eine neue Ära für die Erneuerung der Menschheit.

Er kann und soll gelernt, analysiert und in allen grundsätzlichen Aspekten des Lebens ausgeübt werden, beispielsweise wissenschaftlich, philosophisch, religiös, ethisch, moralisch, erzieherisch und gesellschaftlich.






Was er lehrt

Grundsätzliche Aspekte

Gott ist die höchste Intelligenz und der Ursprung von allem. Er ist ewig, unveränderlich, immateriell, einzig, allmächtig, souverän, gerecht und gut.

Das Universum ist Schöpfung Gottes. Es umfasst alle denkenden und nicht denkenden, lebendigen und nicht lebendigen, materiellen und immateriellen Wesen.

Außer der körperlichen Welt, welche der Lebensraum der inkarnierten (einverleibten) Geister (Menschen) ist, gibt es die geistige Welt, die den Lebensraum der desinkarnierten (nicht einverleibten) Geister darstellt.

Im Universum gibt es andere bewohnte Welten, in denen verschiedene Wesen in verschiedenen Entwicklungsebenen (-stadien) existieren. Sie sind gleich, mehr oder weniger entwickelt als der Mensch.

Alle Naturgesetze sind von Gott geschaffen worden. Sie umfassen sowohl die physischen als auch die moralischen Gesetze.

Der Mensch ist ein inkarnierter (einverleibter) Geist (Esprit, Spirit) in einem materiellen Körper. Der Perisprit (Geisterhülle) ist der halbmaterielle Körper, der den Geist mit dem materiellen Körper verbindet.

Die Geister sind die intelligenten Wesen der Schöpfung. Sie bilden die geistige Welt, die vor jedem physischen Dasein gewesen ist und alles Materielle überdauern wird.

Die Geister werden einfach und unwissend erschaffen. Sie entwickeln sich intellektuell und moralisch, indem sie von einer niederen zu einer höheren Ebene aufsteigen, bis sie die Vollkommenheit erreicht haben, wo sie eine unveränderliche Freude genießen.

Die Geister bewahren ihre Individualität vor, während und nach jeder neuen Inkarnation.

Die Geister reinkarnieren so viele Male, wie es für ihre eigene Entwicklung notwendig ist.

Die Geister entwickeln sich immer. In ihren vielfältigen körperlichen Existenzen können sie stagnieren. Sie entwickeln sich aber nie zurück. Die Schnelligkeit ihrer intellektuellen und moralischen Fortschritte ist abhängig von den Bemühungen, die sie machen, um die Vollkommenheit zu erlangen.

Die Geister können verschiedenen Klassen zugeordnet werden, je nach der Vollkommenheitsebene, die sie erreichen konnten: reine Geister, die schon die höchste Vollkommenheitsebene erreichten; und gute Geister, bei denen der Wunsch nach dem Guten überwiegt; unvollkommene Geister, die sich durch die Unwissenheit, den Wunsch nach dem Bösen und die niederen Leidenschaften auszeichnen.

Die Beziehungen zwischen den Geistern und den Menschen sind permanent und existierten schon immer. Die guten Geister beeinflussen uns zum Guten, geben uns die Unterstützung in den Prüfungen des Lebens und helfen uns, diese Prüfungen mit Mut und Ergebenheit zu verkraften. Die unvollkommenen Geister treiben uns zum Fehltritt an.

Jesus ist der Weg und das Vorbild für die ganze Menschheit. Und die Lehre, die er ausgeübt und uns gelehrt hat, ist der reinste Ausdruck des göttlichen Gesetzes.

Die Moral Christi, im Evangelium enthalten, ist der Leitfaden zu der sicheren Entwicklung aller Menschen. Die Praxis der christlichen Moral ist zugleich die Lösung für alle menschlichen Probleme und das zu erreichende Ziel der Menschheit.

Der Mensch besitzt den freien Willen zu agieren, haftet aber für die Folgen seiner Taten.

Das künftige Leben bringt dem Menschen Strafen und Belohnungen, seinem Verhalten gegenüber dem göttlichen Gesetz entsprechend.

Das Gebet ist eine Tat der Gottesanbetung, die zu den Naturgesetzen gehört und die einem angeborenen Gefühl des Menschen entspricht sowie der angeborenen Idee von der Existenz des Schöpfers.

Das Gebet macht den Menschen besser. Derjenige, der mit Inbrunst und Vertrauen betet, macht sich selbst widerstandsfähiger gegen die Versuchung des Bösen, und Gott sendet ihm gute Geister, um ihm zu helfen. Das ist eine Hilfe, die ihm nie verweigert wird, wenn er mit Aufrichtigkeit darum betet






Spiritistische Praxis

Alle spiritistische Praxis ist kostenlos, wie im folgenden Prinzip des Evangeliums dargelegt ist:
"Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch" (Matthäus 10:8)

Die spiritistische Praxis wird mit Einfachheit und ohne Rituale ausgeführt, gemäß dem christlichen Prinzip, dass Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet werden soll. (Johannes 4:23)

Der Spiritismus hat keine Priester oder priesterliche Zuordnung und verwendet in seinen Sitzungen und in seiner Praxis: keine Altäre, keine Bilder, keine Traggerüste, keine Kerzen, keine Prozessionen, keine Sakramente, keine Vergebung der Sünden, keine Paramente, keine alkoholische oder berauschende Getränke, keinen Weihrauch, keinen Tabak, keine Talismane, keine Amulette, keine Horoskope, kein Kartenlegen, keine Pyramiden, keine Kristalle, keine Rituale oder Formen externen Kultes.

Der Spiritismus bürdet seine Prinzipien den Interessenten nicht auf. Er lädt sie ein, seine ganze Lehre durch eigene Vernunft zu überprüfen, bevor sie diese akzeptieren.

Die Mediumnität (Medialität), die die Kommunikation zwischen den Geistern und dem Menschen ermöglicht, ist eine Gabe, die vielen Personen in die Wiege gelegt worden ist. Sie ist ganz unabhängig von der Lehreinrichtung, Lebensphilosophie oder Religion, die man sich zu Eigen macht.

Die spiritistische Praxis der Mediumnität ist nur diejenige, die unter den Prinzipien der spiritistischen Lehre und unter der christlichen Moral durchgeführt wird.

Der Spiritismus respektiert alle Religionen und Lehren, verleiht Wert allen Bemühungen für die Praxis des Guten, arbeitet für die Verbrüderung und für den Frieden zwischen allen Völkern und Menschen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit, Glaube oder Gesellschaft- bzw. Kulturebene. Er erkennt, dass "der wahre Ehrenmensch derjenige ist, der in der höchsten Reinheit dem Gesetz der Gerechtigkeit, der Liebe und der Nächstenliebe folgt".







Inhalte der Lehre der Geister

Aus dem Buch: "Der Spiritismus in seinem einfachsten Ausdruck"
Allan Kardec. - 1. Aufl. -München: Spiritismus Verlag, 2005 ISBN 3-935824-02-5

1. Gott ist die höchste Intelligenz, die erste Grundursache aller Dinge. -- Gott ist ewig, einzig, immateriell, unveränderlich, allmächtig, souverän gerecht und gut. Er muss in allen seinen Vollkommenheiten unendlich sein, denn man könnte ein einziges seiner Attribute unvollkommen vermuten, so wäre er nicht mehr Gott.

2. Gott hat den Stoff, aus dem die Welten bestehen, geschaffen; schuf auch intelligente Wesen, die wir Geister nennen, welche beauftragt sind, die materiellen Welten nach den unwandelbaren Gesetzen der Schöpfung zu verwalten, und welche ihrer Natur nach vervollkommnungsfähig sind. Indem sie sich aber vervollkommnen, nähern sie sich der Gottheit.

3. Der Geist ist, eigentlich gesagt, das intelligente Prinzip; seine innere Natur ist uns unbekannt; für uns ist er unkörperlich, da er keine Ähnlichkeit mit dem hat, was wir Stoff nennen.

4. Die Geister sind individuelle Wesen; sie besitzen eine ätherisch, unwägbare Hülle, Perisprit genannt, eine Art fluidalen Körpers, den Typus der menschlichen Gestalt. Sie bevölkern die Räume, welche sie mit der Schnelligkeit des Blitzes durchziehen, und bilden die unsichtbare Welt.

5. Der Ursprung und die Art der Schöpfung der Geister sind uns unbekannt; nur wissen wir, dass sie einfach und unwissend geschaffen sind, nämlich ohne Wissen und Erkenntnis des Guten und des Schlechten, aber mit einer gleichen Anlage für alles; denn Gott in seiner Gerechtigkeit konnte nicht die einen, um zur Vervollkommnung zu gelangen, von der Arbeit befreien, welche Er den Anderen auferlegt hätte. Am Anfang sind sie in einer Art Kindheit, ohne eigenen Willen und ohne vollkommenes Bewusstsein ihrer Existenz.

6. Indem der freie Wille zugleich mit den Gedanken bei den Geistern sich entwickelte, sagte Gott ihnen: "Alle könnt Ihr Anspruch auf die höchste Glückseligkeit machen, wenn Ihr nur die Kenntnisse, welche Euch fehlen, erworben, und die Aufgabe, die ich Euch auferlege, erfüllt haben werdet. Arbeitet, denn vorzurücken, das ist Euer Ziel: das werdet Ihr erreichen, indem Ihr den Gesetzen, welche ich Eurem Gewissen eingeprägt habe, folgt."
Ihrem freien Willen zufolge nehmen die Einen den kürzeren Weg, welcher der des Guten, die Anderen den längeren, welcher der des Schlechten ist.

7. Gott hat nicht das Schlechte geschaffen; Er hat Gesetze gegründet, und diese Gesetze sind immer gut, weil Er selbst höchst gut ist; Wer sie treu beobachten würde, der wäre vollkommen glücklich; da die Geister aber ihren freien Willen hatten, haben sie dieselben nicht immer befolgt, und das Schlechte ist für sie aus ihrer Unfolgsamkeit entstanden. Folglich kann man sagen, dass das Gute alles das ist, was mit dem Gesetze Gottes übereinstimmend, und das Schlechte alles das, was gegen dasselbe Gesetz ist.

8. Um als wirkende Wesen der göttlichen Macht am Werk der materiellen Welten mitzuwirken, sind die Geister für eine Zeitlang mit einem materiellen Körper bekleidet. Durch die Arbeit, welche ihre körperliche Existenz nötig macht, vervollkommnen sie ihre Intelligenz, und indem sie das Gesetz Gottes beobachten, erlangen sie die Verdienste, welche sie zur ewigen Glückseligkeit führen sollen.

9. Die Inkarnation ist ursprünglich dem Geist nicht als eine Strafe auferlegt worden; sie ist zu seiner Entwicklung und der Vollendung der Werke Gottes nötig, und Alle müssen ihr unterstehen, gleichviel ob sie den Weg des Guten oder den des Schlechten eingeschlagen haben; mit dem Unterschied jedoch, dass diejenigen, welche den Weg des Guten folgen, schneller vorrücken, weniger Zeit brauchen, das Ziel zu erreichen, und mit weniger Mühe hingelangen.

10. Die einverleibten Geister bilden die Menschheit, welche nicht bloß auf die Oberfläche der Erde beschränkt ist, sondern alle Welten, mit denen der Raum besät ist, bevölkert.

11. Die Seele des Menschen ist ein einverleibter Geist. Um ihr in der Erfüllung ihrer Aufgabe zu helfen, hat Gott ihr als Hilfsmittel die Tiere gegeben, welche ihr unterworfen sind, und deren Verstand und Charakter mit ihren Bedürfnissen in Beziehung stehen.

12. Die Vervollkommnung des Geistes ist die Frucht seiner eigenen Arbeit; da er in einem einzigen körperlichen Leben alle moralischen und geistigen Eigenschaften nicht erwerben kann, welche ihn zum Ziel führen sollen, so gelangt er dahin durch eine Reihe von Existenzen; bei jeder derselben macht er einige Schritte vorwärts auf dem Wege des Fortschrittes.

13. Bei jeder körperlichen Existenz bekommt der Geist eine seiner Entwicklung entsprechende Aufgabe zu vorführen; je härter und mühsamer sie ist, desto mehr Verdienst hat er dieselbe zu vollenden. So ist jede Existenz eine Prüfung, welche ihn dem Ziel nähert. Die Anzahl dieser Existenzen ist unbestimmt; es hängt von dem Willen des Geistes ab, dieselbe abzukürzen, indem er tätig zu seiner moralischen Vervollkommnung wirkt; ebenso wie es von dem Willen des Arbeiters, welcher eine Arbeit zu vollführen hat, abhängt, die Anzahl der Tage, die er dazu braucht, zu vermindern.

14. Wenn eine Existenz schlecht angewendet wurde, so bleibt sie ohne Nutzen für den Geist, welcher sie von neuem unter mehr oder weniger mühsamen Bedingungen im Verhältnis seiner Nachlässigkeit oder seines schlechten Willens anzufangen hat. Ebenso ist es im Leben, man kann den Tag nachher das zu tun gehalten sein, was man den Tag vorher nicht getan hat.

15. Das geistige Leben ist das normale Leben des Geistes: es ist ewig; das körperliche Leben ist vorübergehend und vergänglich: es bildet nur einen Augenblick in der Ewigkeit.

16. In dem Zwischenraum seiner körperlichen Existenzen ist der Geist wandelnd. Die Geisterwanderung hat seine bestimmte Dauer; in diesem Zustand ist der Geist entweder glücklich oder unglücklich, je nach dem guten oder schlechten Gebrauch, den er von seiner letzten Existenz gemacht hat; er forscht nach den Ursachen, welche seinen Fortschritt befördert oder gehindert haben; er fasst die Entschlüsse, welche er in seiner neuen Inkarnation zu verwirklichen trachten wird, und wählt selbst die Prüfungen, welche er zu seinem Fortschritt am geeignetsten glaubt, aber manchmal irrt er sich, oder unterliegt, wenn er als Mensch nicht an den Entschlüssen festhält, welche er als Geist gefasst hat.

17. Der strafbare Geist wird in der Geisterwelt mit moralischen Leiden gequält, und in dem körperlichen Leben mit physischen Mühen geplagt. Seine Kümmernisse sind die Folge seiner Fehler, nämlich, seiner Übertretung des Gesetzes Gottes, so dass sie zugleich eine Sühnung für die Vergangenheit und eine Prüfung für die Zukunft sind. So kann der hochmütige ein Leben der Erniedrigung, der Tyrann eines der Unterwürfigkeit, der unbarmherzige Reiche eines der Armut haben.

18. Es gibt Welten für die verschiedenen Abstufungen des Fortschrittes der Geister, wo die körperliche Existenz sich in sehr verschiedene Beziehungen findet. Je weniger der Geist vorgerückt ist, desto schwere und materielle sind die Körper, welche er bewohnt; in dem Maße, wie er reiner wird, wird er moralisch und physisch in höhere Welten übergehen. Die Erde ist weder die erste noch die letzte derselben, sie ist aber eine der am wenigsten vorgerückten.

19. Die schuldigen Geister werden in den am wenigsten vorgerückten Welten einverleibt, wo sie ihre Fehler durch die Betrübnisse des körperlichen Lebens aussühnen. Diese Welten sind für sie wahre Fegefeuer, aus welchen herauszukommen aber von ihnen abhängt, indem sie an ihren moralischen Fortschritten arbeiten. Die Erde ist eine dieser Welten.

20. Da Gott höchst gerecht und gut ist, so verdammt er nicht seine Geschöpfe für zeitweise Fehler zu ewigen Strafen; er bietet ihnen zu jeder Zeit Mittel, fortzuschreiten und das Schlechte, welches sie getan haben, wiedergutzumachen. Gott verzeiht, aber er verlangt die Reue, die Besserung und die Rückkehr zum Guten; so dass, die Dauer der Strafe im Verhältnis zu dem Beharren des Geistes im Schlechten steht; folglich wäre die Strafe für denjenigen ewig, der ewig auf dem schlechten Weg verharren würde; aber sobald ein Funke der Reue in das Herz des Schuldigen eindringt, so erstreckt Gott auf ihn seine Barmherzigkeit. Mit diesem relativen Begriffe und nicht in dem absoluten Sinn soll man die Ewigkeit der Strafen verstehen.

21. Mit der Inkarnation bringen die Geister das mit sich, was sie in ihren früheren Existenzen erworben haben; daher kommt es, dass die Menschen instinktmäßig spezielle Anlagen, gute oder schlechte Meinungen zeigen, welche denselben angeboren zu sein scheinen.
Die schlechten, natürlichen Neigungen sind die Überreste der Unvollkommenheit des Geistes, von denen er sich noch nicht vollständig gereinigt hat; es sind auch die Andeutungen der Fehler, welche er begangen hat, und die wahre Erbsünde. Er hat bei jeder Existenz sich von einigen Unreinheiten zu befreien.

22. Das Vergessen von den früheren Existenzen ist eine Wohltat Gottes, welcher in seiner Güte dem Menschen oft peinliche Erinnerungen ersparen wollte. Bei jeder neuen Existenz ist der Mensch das, wozu er sich selbst gemacht hat: für ihn ist dies ein neuer Ausgangspunkt; er kennt seine jetzigen Fehler; er weiß, dass diese Fehler die Folge derjenigen sind, welche er besaß; er schließt daraus auf das Übel, welches er begehen konnte und das genügt ihm, um an seiner Besserung zu arbeiten. Wenn er früher Fehler hatte, welche er nicht mehr hat, so hat er sich nicht darum zu bekümmern; er hat mit seinen jetzigen Unvollkommenheiten genug.

23. Wenn die Seele nicht schon gelebt hat, so soll sie zu gleicher Zeit mit dem Körper geschaffen worden sein; bei dieser Voraussetzung kann sie keinen Zusammenhang mit denen haben, welche ihr vorangegangen sind. Man fragt sich dann, wie Gott, welcher höchst gerecht und gut ist, sie für den Fehler des Urvaters des menschlichen Geschlechtes verantwortlich machen konnte, indem er sie mit einer Sünde befleckte, welche sie nicht begangen hat. Wenn man im Gegenteil sagt, dass sie bei ihrer Wiedergeburt den Keim der Unvollkommenheiten ihrer früheren Existenzen mitbringt; dass sie in der gegenwärtigen Existenz die Folgen ihrer begangenen Fehler erleidet, so gibt man der Erbsünde eine logische Erklärung, welche ein Jeder begreifen und annehmen kann, weil die Seele nur für ihre eigenen Handlung verantwortlich ist.

24. Die Verschiedenheit der angeborenen moralischen und intellektuellen Anlagen ist der Beweis, dass die Seele schon gelebt hat; wenn sie zu gleicher Zeit mit dem jetzigen Körper geschaffen worden wäre, so würde es nicht der Güte Gottes gemäß sein, die Einen vorgerückter als die Anderen gemacht zu haben. Warum gibt es wilde und zivilisierte Menschen, gute und schlechte, dumme und geistreiche Leute? Wenn man annimmt, dass die Einen öfter gelebt und mehr erworben haben als die Anderen, erklärt sich alles.

25. Wenn die jetzige Existenz die einzige wäre und allein über die Zukunft der Seele für ewig entscheiden sollte, was wäre das Schicksal der Kinder, welche frühzeitig sterben? Da sie weder Gutes noch Böses getan haben, so verdienen sie weder Belohnung noch Strafen. Da, dem Worte Christi gemäß, jeder nach seinen Werken belohnt wird, so haben sie kein Recht zu der vollkommenen Glückseligkeit der Engel, aber auch nicht verdient, derselben beraubt zu sein. Sagt nur, dass sie in einer anderen Existenz das vollenden können, was sie in der, welche abgekürzt wurde, nicht tun konnten, und es besteht keine Ausnahme mehr.

26. Von demselben Gesichtspunkt betrachtet, was wäre das Schicksal der geistig Behinderten und Geistesarmen? Da sie kein Bewusstsein des Guten und des Schlechten haben, haben sie auch keine Verantwortlichkeit ihrer Taten. Wäre Gott gerecht und gut, dumme Seelen geschaffen zu haben, um sie einer elenden Existenz auszusetzen und das ohne Vergeltung? Nehmt im Gegenteil an, das die Seele des Kretins und des Blödsinnigen ein Geist ist, welcher als Strafe in einem Körper eingeschlossen ist, der seine Gedanken auszudrücken untauglich ist, gleich einem starken Mann, welchen Fesseln niederdrücken, und Ihr werdet nichts mehr finden, was im Widerspruch mit der Gerechtigkeit Gottes wäre.

27. Da in seinen nach einander folgenden Inkarnationen der Geist allmählich seine Unreinheiten abgelegt hat, und sich durch die Arbeit vervollkommnet, so gelangt er ans Ende seiner körperlichen Existenzen; dann gehört er der Klasse der reinen Geister oder Engel an, und genießt zugleich die vollkommene Anschauung Gottes und ein ungetrübtes und ewiges Glück.

28. Da die Menschen zur Buße auf der Erde sind, hat Gott als ein guter Vater dieselben nicht sich selbst ohne Führer überlassen. Zuerst haben sie ihre Schutzgeister oder ihre Schutzengel, welche über sie wachen und sich bemühen, sie auf den guten Weg zu führen. Sie haben ferner die Geister, welche auf der Erde eine Mission haben, erhabene Geister, welche von Zeit zu Zeit unter ihnen sich einverleiben, um durch ihr Wirken den Weg zu beleuchten und die Menschheit vorrückend zu machen.
Obwohl Gott sein Gesetz in das Gewissen eingeprägt hat, hat er es für gut gefunden, dieses auf eine ausdrückliche Art zu formulieren. Er sandte ihnen zuerst Moses, aber die Gesetze Moses waren für die Menschen seiner Zeit angemessen, er sprach zu ihnen nur von dem irdischen Leben, von den zeitlichen Strafen und Belohnungen. Christus ist nachher gekommen, um durch eine höhere Lehre das Gesetz Moses zu vervollständigen: die Mehrheit der Existenzen, das geistige Leben, die moralischen Strafen und Belohnungen. Moses leitete sie durch die Furcht, Christus durch die Liebe zu Gott und für ihren Nächsten.

29. Der Spiritismus ist die dritte auffallende Kundgabe der Macht und Güte Gottes; er beweist die Zukunft durch klare Tatsachen, er sagt in klaren und unanstößigen Worten das, was Christus in Parabeln (Gleichnissen) sagte; er setzt auseinander die unbekannten oder falsch gedeuteten Wahrheiten; er entschleiert die Existenz der unsichtbaren Welt oder Geisterwelt, und weiht den Menschen in die Geheimnisse des Zukünftigen ein; er kommt den Materialismus zu bekämpfen, welcher eine Empörung gegen die Macht Gottes ist; er kommt endlich, um unter den Menschen die Herrschaft der Nächstenliebe und der von Christus angekündigten Solidarität zu begründen. Moses hat geackert, Christus hat gesät, der Spiritismus kommt zu ernten.

30. Der Spiritismus ist kein neues Licht, wohl aber ein helleres, weil es auf allen Punkten der Erde durch die Stimme derjenigen, welche gelebt haben, aufleuchtet. Indem er das klar macht, was dunkel war, macht er den irrtümlichen Auslegungen ein Ende und wird die Menschen zu einem und demselben Glauben vereinigen, weil es nur einen einzigen Gott gibt und weil seine Gesetze für alle dieselben sind. Er kennzeichnet endlich den Anfang der von Christus und den Propheten angekündigten Zeiten.

31. Die Übel, welche die Menschen auf der Erde betrüben, haben als Urgrund den Hochmut, den Egoismus und alle schlechten Leidenschaften. Durch den gegenseitigen Einfluss ihrer Laster machen sich die Menschen gegenseitig unglücklich und bestrafen sich einander. Möge die Nächstenliebe und Demut den Egoismus und Hochmut ersetzen, dann werden die Menschen nicht mehr trachten zu schaden; sie werden die Rechte eines Jeden achten und werden unter sich die Eintracht und die Gerechtigkeit herrschen machen.

32. Aber wie kann man den Egoismus und den Hochmut vernichten, welche dem Herzen des Menschen angeboren zu sein scheinen? Der Egoismus und der Hochmut sind in dem Herzen des Menschen, weil die Menschen Geister sind, welche vom Anfang an dem Wege des Bösen gefolgt haben, und welche auf die Erde zur Strafe für eben dieselben Laster verbannt worden sind; das ist auch da die Erbsünde, welche Viele noch nicht abgelegt haben. Durch den Spiritismus macht Gott einen letzten Anruf zur Ausübung des Gesetzes, welches Christus gelehrt hat: Ein Gesetz der Liebe zu Gott und für die Menschen.

33. Da die Erde an die angezeigte Zeit gelangt ist, um ein Aufenthalt des Glückes und des Friedens zu werden, so will Gott nicht, dass die bösen einverleibten Geister fortfahren, die Verwirrung zum Nachteil der Guten zu unterhalten; deshalb werden sie verschwinden müssen. Sie werden in weniger vorgerückten Welten ihre Hartnäckigkeit sühnen, wo sie von neuem in einer Reihe von unglücklicheren und mühsameren Existenzen als auf Erden an ihrer Vervollkommnung arbeiten werden.
Sie werden auf diesen Welten eine neue besser aufgeklärte Rasse bilden, deren Aufgabe es sein wird, die minder vorgerückten Wesen, welche dieselben bewohnen, mit Hilfe ihrer erworbenen Kenntnisse fortschreiten zu lassen. Sie werden dieselben für eine bessere Welt nur verlassen, wenn sie es verdient haben werden, und so fort, bis sie die vollkommene Reinigung erreicht haben. Wenn die Erde für dieselben ein Fegefeuer war, so werden diese Welten ihre Höllen sein, aber eine Hölle, wo die Hoffnung nie verbannt wird.

34. Während die verbannte Generation schnell verschwinden wird, erhebt sich eine neue Generation, deren Glaubensbekenntnisse auf dem christlichen Spiritismus begründet sein werden. Wir wohnen dem Übergang, welcher vorgeht, bei, ein Vorspiel zu der moralischen Erneuerung, von der der Spiritismus die Ankunft kennzeichnet.





Grundsätze aus der Lehre der Geister

Aus dem Buch: "Der Spiritismus in seinem einfachsten Ausdruck"
Allan Kardec. - 1. Aufl. -München: Spiritismus Verlag, 2005 ISBN 3-935824-02-5

1. Der wesentliche Zweck des Spiritismus ist die Verbesserung der Menschen, man soll darin nur das suchen, was dem moralischen und intellektuellen Fortschritt helfen kann.

2. Der wahre Spiritist ist nicht derjenige, welcher den Äußerungen Gehör schenkt, sondern der, welcher die Lehre der Geister zur Ausführung bringt. Es hilft uns nichts zu glauben, wenn der Glaube uns nicht einen Schritt vorwärts auf dem Wege des Fortschrittes machen lässt, und uns für unseren Nächsten nicht besser macht.

3. Der Egoismus, der Hochmut, die Eitelkeit, der Ehrgeiz, die Habsucht, der Hass, der Neid, die Eifersucht, die Verleumdung sind für die Seele giftige Pflanzen, von denen man täglich einige Halme ausreißen muss, und welche als Gegengift die Nächstenliebe und Demut haben.

4. Der Glaube an den Spiritismus ist nur demjenigen vorteilhaft, von dem man sagen kann: heute ist er besser als gestern.

5. Die Wichtigkeit, welche der Mensch den zeitlichen Gütern beilegt, ist im entgegen gesetzten Verhältnis mit seinem Glauben an das geistige Leben; der Zweifel über die Zukunft ist es, was ihn antreibt, die Befriedigung seiner Leidenschaften, seine Freude in dieser Welt zu suchen, und wäre es selbst auf Kosten seines Nächsten.

6. Die Betrübnisse auf Erden sind die Heilmittel der Seele, sie retten dieselbe für die Zukunft, wie eine schmerzhafte chirurgische Operation das Leben eines Kranken rettet und ihm die Gesundheit wieder gibt. Deswegen hat Christus gesagt: "Glücklich sind die Betrübten, denn sie werden getröstet werden."

7. In euerer Betrübnis blickt unter euch und nicht über euch, denkt an diejenigen, die noch mehr leiden als ihr.

8. Die Verzweiflung ist bei dem natürlich, welcher glaubt, das alles mit dem Leben des Körpers endigt; sie ist ein Unsinn bei dem, der Zutrauen in die Zukunft setzt.

9. Der Mensch ist oft der Urheber seines eigenen Unglückes auf Erden; er kehre lieber zur Quelle seiner Missgeschicke zurück und er wird sehen, dass sie am häufgsten nur die Folge seiner Unvorsichtigkeit, seines Hochmutes und seiner Habgier, und folglich seiner Übertretung der Gesetze Gottes sind.

10. Das Gebet ist eine Art der Anbetung. Zu Gott beten, heißt an ihn denken, sich ihm nähern, mit ihm in Verkehr treten.

11. Derjenige, welcher inbrünstig und mit Zutrauen betet, ist gegen die Versuchungen des Übels stärker und Gott schickt ihm gute Geister, um ihm beizustehen; es ist eine Hilfe, welche nie versagt ist, wenn sie mit Aufrichtigkeit verlangt wird.

12. Das Wesentliche liegt nicht darin, viel, sonder gut zu beten. Gewisse Leute glauben, dass das ganze Verdienst in der Länge des Gebetes liegt, während sie bei ihren eigenen Fehlern ihre Augen schließen. Das Gebet ist für sie eine Beschäftigung, eine Zeitanwendung, aber nicht eine Durchforschung ihres eigenen Wesens.

13. Derjenige, welcher Gott um die Verzeihung seiner Fehler bittet, erlangt sie nur dann, wenn er sein Betragen ändert. Die guten Handlungen sind das beste Gebet, denn die Taten gelten mehr als die Worte.

14. Das Gebet ist von allen guten Geistern anempfohlen. Es ist überdies von allen unvollkommenen Geistern als ein Hilfsmittel gewünscht, um ihre Leiden zu erleichtern.

15. Das Gebet kann nicht die Ratschlüsse der Vorsehung ändern, aber wenn die leidenden Geister sehen, dass man an ihrem Schicksale Anteil nimmt, fühlen sie sich weniger verlassen, sie werden weniger unglücklich; das Gebet ermuntert sie, erweckt in ihnen den Wunsch, sich durch die Reue und die Wiedergutmachung zu erheben, und kann sie von den Gedanken an das Übel abwenden. In diesem Sinne kann es nicht nur ihre Leiden erleichtern, sondern auch abkürzen.

16. Bete jeder nach seiner Überzeugung und nach der Art, wie er es am passendsten hält, denn die Form ist nichts, der Gedanke alles; die Aufrichtigkeit und die Reinheit des Beweggrundes ist das Wesentliche. Ein guter Gedanke ist mehr wert, als zahlreiche Worte, welche dem Lärm einer Mühle ähnlich sind und denen das Herz fremd ist.

17. Gott hat starke und mächtige Menschen gemacht, damit sie die Stütze der Schwachen seien. Der Mächtige, welcher den Schwachen unterdrückt, ist von Gott verdammt. Er bekommt oft die Strafe dafür in diesem Leben, ohne der Zukunft vorzugreifen.

18. Der Reichtum ist ein anvertrautes Gut, dessen Besitzer nichts als der Nutznießer ist, da er es nicht mit sich ins Grab nimmt; er wird eine strenge Rechnung von dem Gebrauch ablegen müssen, welchen er davon gemacht hat.

19. Das Vermögen gibt eine gefährlichere Prüfung als die Armut, weil es eine Versuchung zum Missbrauch und zu Ausschweifungen ist, und weil es schwerer ist, mäßig als ergeben zu sein.

20. Der Ehrgeizige, welcher stolziert, und der Reiche, welcher sich an materiellen Genüssen weidet, sind mehr zu bedauern als zu beneiden; denn man muss die Kehrseite berücksichtigen. Durch die schrecklichen Beispiele von denjenigen, welche gelebt haben, und welche kommen, uns ihr Schicksal zu entschleiern, zeigt der Spiritismus die Wahrheit dieses Wortes Christi: "Wer sich erhöht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden."

21. Die Nächstenliebe ist das höchste Gesetz Christi: "Liebt Euch unter einander wie Brüder; -- liebt euren Nächsten wie Euch selbst; -- verzeiht euren Feinden; -- tut nicht einem Anderen, was Ihr nicht wollt, dass man Euch tue." Dies alles wird in dem Wort Nächstenliebe begriffen.

22. Die christliche Liebe besteht nicht allein im Almosen, denn es gibt eine Christenliebe in Gedanken, Worten und in Handlungen. Derjenige übt die christliche Liebe in Gedanken, welcher nachsichtig für die Fehler seines Nächsten ist; in Worten, welcher nichts sagt, was seinem Nächsten schaden kann; in Handlungen, welcher seinem Nächsten in dem Maße seiner Kräfte beisteht.

23. Der Arme, welcher sein Stück Brot mit Einem, der ärmer als er ist, teilt, übt die christliche Liebe besser, und hat mehr Verdienst vor den Augen Gottes, als derjenige, welcher von seinem Überfluss gibt, ohne sich etwas zu versagen.

24. Wer gegen seinen Nächsten Gefühle der Erbitterung, des Hasses, der Eifersucht und des Grolles nährt, unterlässt die Christenliebe; er lügt, wen er sich einen Christen nennt und beleidigt Gott.

25. Ihr Menschen aller Kasten, aller Religionen und aller Farben, ihr seid alle Brüder; denn Gott ruft euch alle zu sich. Reicht euch also die Hand, wie auch eure Art ihn anzubeten sei, und flucht nicht gegeneinander; denn der Fluch ist die Übertretung des Gesetzes der Liebe, welches Christus verkündigte.

26. Mit dem Egoismus sind die Menschen immer in fortwährendem Streit; mit der Nächstenliebe werden sie im Frieden leben. Die Nächstenliebe allein kann also, indem sie die Grundlage ihrer Institutionen bildet, ihr Glück in dieser Welt fördern; nach den Worten Christi kann sie auch allein ihr künftige Glück sichern; denn sie enthält in sich alle Tugenden, welche sie zur Vervollkommnung führen können. Mit der wahren Nächstenliebe, wie Christus sie gelehrt und geübt hat, gibt es keinen Egoismus, keinen Hochmut, keinen Hass, keine Eifersucht, keine Verleumdung mehr; wie auch seinen übertriebenen Hang zu den Gütern dieser Welt. Deswegen trägt der christliche Spiritismus als Motto: "Außerhalb der Nächstenliebe kein Heil."





Spiritistische Phänomene

Vorbemerkung

Diejenigen, welche den Spiritismus nicht kennen und weder seinen Zweck noch seine Mittel begreifen, bilden sich beinahe immer einen ganz falschen Begriff davon. Was ihnen besonders abgeht, ist die Kenntnis des Prinzips, der Hauptschlüssel der Erscheinungen. In dessen Ermangelung ist, was sie sehen und hören, für sie ohne Nutzen und selbst ohne Interesse. Es ist eine von der Erfahrung bestätigte Tatsache, nämlich, dass der alleinige Anblick oder die Erzählung von den Erscheinungen zum Überzeugen nicht hinreicht. Derjenige, der selbst Zeuge von Tatsachen ist, die fähig wären, ihn in Erstaunen zu setzen, ist mehr verwundert als überzeugt: je außerordentlicher ihm die Wirkung erscheint, desto verdächtiger ist sie ihm. Ein vorläufiges, ernstes Studium allein kann die Überzeugung herbeiführen: oft genügt es schon, um den Ideengang gänzlich zu verändern. In allen Fällen ist ein solches Studium für das Verständnis der einfachsten Erscheinungen unerlässlich. In Ermangelung eines vollständigen Unterrichts wird ein kurz gefasster Überblick des Gesetzes, welches die Kundgaben leitet, genügen, damit die Leute, die darin noch nicht eingeweiht sind, die Sache unter ihrem wahren Gesichtspunkt betrachten. Die folgende kurze Belehrung soll dieser erste Leitfaden sein.

Diese Belehrung ist besonders in Hinsicht auf jene Personen gegeben, die gar keine Kenntnis vom Spiritismus besitzen. In den spiritistischen Gruppen oder Versammlungen, wo Anhänger anwesend sind, kann sie je nach Bedarf als Einleitung zu den Sitzungen genutzt werden.

Von den Geistern

1. Der Spiritismus ist zugleich eine Beobachtungswissenschaft und eine philosophische Lehre. Als praktische Wissenschaft besteht er in den Beziehungen, die man mit den Geistern haben kann, als Philosophie umfasst er alle moralischen Folgen, die aus diesem Verkehr fließen.

2. Die Geister sind keineswegs, wie man es sich oft vorstellt, besondere Wesen in der Schöpfung, sie sind die Seelen derjenigen, die auf Erden oder in anderen Welten gelebt haben. Die Seelen oder Geister sind also Eins und Dasselbe, woraus folgt, dass jeder, der an das Dasein der Seele glaubt, schon dadurch an die Existenz der Geister glaubt. Die Geister zu leugnen, hieße es, die Seele zu leugnen.

3. Man hat allgemein einen sehr falschen Begriff von dem Zustand der Geister; sie sind nicht, wie einige glauben, vage, unbestimmte Wesen, weder Flammen wie die Irrlichter, noch Phantome wie in den Gespenstermärchen. Es sind uns ähnliche Wesen, die einen Leib haben wie wir, der aber im normalen Zustand fluidal und für uns unsichtbar ist.

4. Wenn die Seele während des Lebens mit dem Leib verbunden ist, hat sie eine doppelte Hülle, eine schwere, grobe und zerstörbare: den Körper, und eine fluidale, leichte, unzerstörbare: Perisprit oder Geisterhülle genannt. Das Perisprit ist das Band, welches die Seele mit dem Leib vereinigt; durch seine Vermittlung lässt die Seele den Leib wirken und empfangt sie die von diesem gehabten Empfindungen. Die Vereinigung der Seele, des Perisprit und des materiellen Leibes macht den Menschen; Seele und Perisprit vom Leib getrennt stellen jenes Wesen dar, welches man Geist nennt.

5. Der Tod ist die Zerstörung der leiblichen Hülle; die Seele verlässt diese Hülle wie man ein abgenütztes Kleidungsstück ablegt, oder wie der Schmetterling seine Larve verlässt, sie behält aber ihren fluidalen Leib, das Perisprit.
Der Tod des Leibes befreit den Geist von der Hülle, welche ihn an die Erde fesselte und leiden machte; einmal dieser Last ledig, hat er nur noch seinen ätherischen Leib, der ihm gestattet mit der Schnelligkeit des Gedankens den Raum zu durcheilen und alle Entfernungen zu überschreiten.

6. Die Geister bevölkern den Raum; sie machen die unsichtbare Welt aus, die uns umgibt, in deren Mitte wir leben und mit welcher wir unaufhörlich in Berührung stehen.

7. Die Geister haben alle Wahrnehmungsfähigkeiten, welche sie auf Erden besaßen, aber in einem höheren Grad, weil diese Fähigkeiten nicht durch die Materie abgestumpft werden; sie haben Empfindungen, welche uns unbekannt sind; sie sehen und hören Dinge, welche unsere beschränkten Sinne uns weder zu sehen noch zu hören gestatten. Für sie gibt es keine Dunkelheit, diejenigen ausgenommen, deren Strafe darin besteht, zeitweilig in der Finsternis zu sein. Alle unsere Gedanken finden in ihnen ihren Widerhall, und sie lesen darin wie in einem offenen Buch, so dass was wir Jemandem während seines Lebens verbergen könnten, wir ihm nicht mehr verheimlichen können, sobald er ein Geist ist.

8. Die Geister behalten die ernsten Neigungen, die sie auf der Erde hatten. Sie kommen gerne zu denen, die von ihnen geliebt wurden, besonders wenn sie durch den Gedanken und die liebevollen Gefühle angezogen werden, die man für sie hegt, während sie gegen jene gleichgültig sind, die auch für sie nur Gleichgültigkeit zeigen.

9. Eine bei den Personen, die den Spiritismus nicht kennen, fast allgemeine Vorstellung ist die, dass sie glauben, die Geister müssen schon darum, weil sie von der Materie befreit sind, alles wissen und die höchste Weisheit besitzen. Das ist ein schwerer Irrtum.
Da die Geister nur die Seelen der Menschen sind, so haben diese Seelen mit dem Verlassen ihrer irdischen Hülle keineswegs die Vollkommenheit erlangt. Der Fortschritt des Geistes vollzieht sich erst mit der Zeit, und allmählich nur entledigt er sich seiner Unvollkommenheiten und erwirbt die Kenntnisse, die ihm fehlen. Es wäre eben so unlogisch anzunehmen, dass der Geist eines Wilden oder Verbrechers plötzlich weise und tugendhaft werde, als es der Gerechtigkeit Gottes entgegen sein würde, zu denken, er werde immerfort auf seiner niederen Stufe bleiben.
Wie es Menschen von allen Graden des Wissens und der Unwissenheit, der Gute und der Bosheit gibt, so verhält es sich auch mit den Geistern. Es gibt deren, die nur leichtsinnig und schalkhaft sind; andere sind lügnerisch, betrügerisch, heuchlerisch, böse, rachsüchtig; andere hingegen besitzen die erhabensten Tugenden und das Wissen in einem auf Erden unbekannten Grad. Diese Verschiedenheit in der Eigenschaft der Geister ist einer der wichtigsten, zu berücksichtigenden Punkte; denn sie erklärt die gute oder schlechte Beschaffenheit der Mitteilungen, welche man erhält; und sie zu erkennen, muss man sich vor allem angelegen sein lassen. (Buch der Geister, Nr. 100, Geister-Stufenleiter. Buch der Medien, Kapitel XXVI.)

Kundgaben der Geistern

1. Die Geister können sich auf viele und verschiedene Arten kundgeben: durch das Gesicht, Gehör, Gefühl, durch Geräusch, Bewegungen von Körpern, durch Schrift, Zeichnen, Musik und dergleichen. Sie offenbaren sich durch die Vermittlung von für jede Gattung der Mitteilungen mit einer besonderen Fähigkeit begabten Personen, die man unter dem Namen "Medien" bezeichnet. So unterscheidet man: sehende, sprechende, hörende, fühlende, zu physischen Wirkungen geeignete, zeichnende, klopfende, schreibende und andere Medien. Unter den schreibenden Medien gibt es zahlreiche Verschiedenheiten, je nach der Beschaffenheit der Mitteilungen, die sie zu empfangen tauglich sind.

2. Das Fluidum, aus welchem das Perisprit besteht, dringt durch alle Körper, und zwar wie das Licht die durchsichtigen Körper durchdringt; kein Stoff bietet ihm ein Hindernis. Deswegen dringen die Geister überall, selbst in die hermetisch verschlossenen Orte ein; es ist lächerlich zu glauben, dass sie sich durch eine kleine Öffnung, wie durch ein Schlüsselloch oder durch den Kamin einführen.

3. Das Perisprit, obgleich im normalen Zustand für uns unsichtbar, ist darum nicht weniger eine ätherische Materie. Der Geist kann in gewissen Fällen machen, dass es eine Art molekulare Veränderung eingeht, die ihn sichtbar und sogar fühlbar werden lassen, so entstehen die Erscheinungen. Dieses Phänomen ist nicht außerordentlicher als das des Dunstes, der, wenn er sehr dünn, unsichtbar ist, und sichtbar wird, wenn er sich verdichtet.
Die Geister, welche sich sichtbar machen, zeigen sich beinahe immer unter den Formen, die sie während ihres Lebens besaßen und die sie kenntlich machen können.

4. Mittels seines Perisprits wirkte der Geist auf seinen lebenden Körper; mittels dieses selben Fluidums offenbart er sich auch, indem er auf die träge Materie einwirkt, bringt er das Geräusch, die Bewegungen von Tischen und anderen Gegenständen hervor, die er in die Höhe hebt, umstürzt oder fortträgt. Diese Erscheinung hat nichts Überraschendes an sich, wenn man berücksichtigt, dass, unter uns, die mächtigsten Motoren sich in den dünnsten und sogar unwägbaren Fluida befinden, wie Luft, Dunst, Elektrizität.
Mit Hilfe ebenfalls seines Perisprits lässt der Geist die Medien schreiben, sprechen oder zeichnen; da er keinen fühlbaren Körper hat, um, wenn er sich offenbaren will, für uns wahrnehmbar zu handeln, so bedient er sich des Körpers des Mediums, dessen Organe er borgt, und das er so wirken lässt, wie wenn es sein eigener Leib wäre, und zwar durch das Fluidum, welches er über dasselbe ausströmt.

5. In dem mit dem Namen sich bewegender oder sprechender Tische bezeichneten Phänomene wirkt der Geist durch das nämliche Mittel auf den Tisch ein, um ihn entweder ohne bestimmte Bedeutung in Bewegung zu setzen, oder um ihn intelligente Schläge machen zu lassen, die auf Buchstaben des Alphabets hinweisend, Wörter und Sätze bilden, eine Erscheinung, die Typtologie (Klopfsprache) genannt wird. Der Tisch ist dabei nur ein Werkzeug, dessen er sich wie des Bleistifts zum Schreiben bedient; er verleiht ihm eine momentane Lebenstätigkeit durch das Fluidum, mit dem er ihn durchdringt, allein er identifiziert sich nicht mit ihm. Die Personen, welche bei Kundgabe eines ihnen teueren Wesens in ihrer Anregung den Tisch küssen, begehen eine lächerliche Handlung, denn es ist gerade so, wie wenn sie den Stock eines Freundes küssten, womit derselbe klopft. Ebenso verhält es sich mit denen, die den Tisch anreden, als wäre der Geist im Holz eingeschlossen, oder das Holz Geist geworden.
Wenn Mitteilungen durch dieses Mittel stattfinden, muss man sich den Geist nicht im Tisch, sondern neben demselben vorstellen, sowie er im Leben war und wie man ihn sehen würde, wenn er sich in diesem Augenblick sichtbar machen könnte. Dasselbe findet in den Mitteilungen durch die Schrift statt: man würde den Geist an der Seite des Mediums sehen, wie er dessen Hand leitet, oder ihm seinen Gedanken durch einen fleißigen Strom überträgt.

6. Wenn der Tisch sich vom Boden trennt und ohne Stütze im Raum schwebt, hebt der Geist denselben nicht kraft seiner Arme, sondern er umhüllt und durchdringt ihn mit einer Art fluidaler Atmosphäre, welche die Wirkung der Schwere neutralisiert, wie es die Luft mit den Luftballons und den Papierdrachen tut. Das Fluidum, womit er durchdrungen ist, gewährt ihm für den Augenblick eine größere spezifische Leichtigkeit. Wenn er an den Boden genagelt ist, befindet er sich in einem Fall, ähnlich dem der pneumatischen Glocke, unter welcher man die Luft ausgepumpt hat. Es sind dies nur Vergleiche, um die Analogie der Wirkungen, nicht aber die absolute Ähnlichkeit der Ursachen zu zeigen.
Man begreift hiernach, dass es für den Geist nicht schwerer ist, eine Person als einen Tisch vom Boden zu heben, einen Gegenstand von einem Ort an einen anderen zu versetzen, oder ihn wohin zu schleudern; diese Phänomene finden nach einem und demselben Gesetz statt.
Wenn der Tisch Jemanden verfolgt, ist es nicht der Geist, welcher läuft, denn er kann ruhig an seinem Platz bleiben, aber er ist der, welcher dem Tisch den Impuls durch einen fluidalen Strom gibt, mittels dessen er ihn nach seinem Gutdünken bewegt.
Wenn sich Schläge im Tisch oder anderswo hören lassen, so klopft der Geist weder mit seiner Hand noch mit irgendeinem Gegenstand; er richtet auf den Punkt, von dem das Geräusch ausgeht, einen Strahl Fluidum, der die Wirkung eines elektrischen Schlages hervorbringt. Er ändert das Geräusch, wie man den von der Luft hervorgebrachten Schall verändern kann.

7. Die zur Hervorbringung gewisser physischer Wirkungen notwendige Dunkelheit leistet ohne Zweifel dem Verdacht und Betrug Vorschub, beweist aber nichts gegen die Möglichkeit der Tatsache. Man weiß, dass es in der Chemie Verbindungen gibt, die beim Licht sich nicht bewerkstelligen können, dass Verbindungen und Zersetzungen unter der Einwirkung des Lichtfluidums stattfinden; da nun alle spiritistischen Phänomene das Ergebnis der Verbindung der dem Geist und dem Medium eigenen Fluida ist, und diese Fluida Materie sind, so ist nichts erstaunliches daran, dass in gewissen Fällen das Lichtfluidum dieser Verbindung hinderlich ist.

8. Die höheren Geister beschäftigen sich nur mit intelligenten Mitteilungen in Absicht auf unsere Belehrung; die physischen oder rein materiellen Kundgaben liegen ganz besonders in den Eigenheiten der gemeinhin mit dem Namen "Klopfgeister" bezeichneten niederen Geister, wie unter uns Kunststücke Sache der Marktschreier, nicht aber der Gelehrten sind.

9. Die Geister sind frei, sie offenbaren sich wann sie wollen, wenn es ihnen beliebt und auch wenn sie können, denn es ist ihnen nicht immer möglich. Sie stehen nicht jedem nach seiner Laune oder Befehle zur Verfügung; es kann sie Niemand wider ihren Willen kommen, noch sagen lassen, was sie verschweigen wollen; so dass Keiner zu behaupten vermag, dass irgend ein Geist in einem bestimmten Moment auf seine Aufforderung erscheinen, oder auf die oder jene Frage antworten werde. Wer das Gegenteil sagt, beweist seine vollständigste Unkenntnis der Anfangsgründe des Spiritismus, die Marktschreierei (Scharlatanismus) allein besitzt Quellen der Unfehlbarkeit.

10. Es gibt Personen, welche regelmäßig und gewissermaßen willkürlich gewisse Phänomene hervorbringen können; allein man muss bemerken, dass es immer rein physische, mehr sonderbare als belehrende Wirkungen sind und welche beständig unter analogen Bedingungen hervorgebracht werden. Die Umstände, unter welchen man sie erlangt, sind derart, dass sie einen noch mehr berechtigten Zweifel über ihre Wirklichkeit einflößen, als sie allgemein der Gegenstand einer Ausbeutung sind und es oft schwer ist, die wirkliche Mediumschaft von der Taschenspielerei zu unterscheiden. Erscheinungen dieser Art können jedoch auch das Produkt einer wahren Mediumschaft sein, denn es ist möglich, dass Geister niederer Stufe, die vielleicht im Leben dieses Handwerk getrieben haben, an solchen Produktionen Gefallen finden; es wäre aber albern zu denken, dass nur etwas höhere Geister sich mit derlei Schaustellungen abgeben.
Dieses aber schwächt den Grundsatz von der Freiheit der Geister nicht ab, diejenigen, welche so kommen, tun es, weil es ihnen beliebt, nicht aber, weil sie dazu gezwungen sind, und von dem Augenblick an, wo es ihnen zu kommen nicht mehr passte, würde, wenn das Individuum wirklich Medium ist, keine Wirkung mehr erzielt werden. Die kräftigsten Medien für physische oder andere Wirkungen haben von ihrem Willen unabhängige Zeiten der Unterbrechung. Die Scharlatane haben das nicht.
Übrigens sind diese Phänomene, vorausgesetzt dass sie wirklich sind, nur eine sehr teilweise Anwendung des Gesetzes, welches die Beziehungen der Körperwelt mit der Geisterwelt leiten, machen aber den Spiritismus nicht aus; so dass ihre Inabredestellung die allgemeinen Grundsätze der Lehre in nichts abschwächen würde.

11. Gewisse spiritistische Kundgaben geben sich leicht zu einer mehr oder minder groben Nachahmung her; daraus aber, dass sie, wie so viele andere Phänomene, von der Gaukler- und Taschenspielerkunst haben ausgebeutet werden können, zu schließen, dass sie nicht existieren, wäre absurd.
Für denjenigen, der die normalen Bedingungen, unter welchen sie sich vollziehen können, studiert hat und kennt, ist es leicht die Nachahmung von der Wirklichkeit zu unterscheiden; übrigens kann die Nachahmung nie vollständig sein, und kann nur den Unwissenden täuschen, der unfähig ist, die charakteristischen Schattierungen des echten Phänomens zu fassen.

12. Die Manifestationen, die am leichtesten nachzuahmen sind, sind gewisse physische Wirkungen, und die niederen intelligenten Wirkungen, wie Bewegungen, geklopfte Schläge, Herbeitragungen von Gegenständen, unmittelbare Schrift, allgemeine Antworten usw.; es verhält sich aber nicht so mit den intelligenten Mitteilungen von hoher Einsicht oder mit der Offenbarung von Dingen, die dem Medium offenbar unbekannt sind; zur Nachahmung der ersten braucht man weiter nichts als Gewandtheit; um die anderen nachzuahmen, müsste man beinahe immer ungewöhnliche Kenntnisse, eine außerordentliche Geistesüberlegenheit und eine Fähigkeit sozusagen allumfassender Improvisation oder die Gabe des Wahrsagens besitzen.

13. Die Darstellungen von Gespenstern auf den Theatern sind mit Unrecht als mit den Erscheinungen der Geister in Beziehung stehend angesehen worden, von denen sie nur eine grobe und unvollkommene Nachahmung sind. Man muss mit den ersten Elementen des Spiritismus unbekannt sein, um hierin die geringste Ähnlichkeit zu sehen und glauben zu können, dass man in den spiritistischen Versammlungen sich mit solchen Dingen befasse. Die Geister werden auf Befehl von niemandem sichtbar, sondern durch ihren eigenen Willen und unter besonderen Bedingungen, die hervorzurufen in Macht von niemandem steht.

14. Die spiritistischen Anrufungen bestehen nicht darin, wie einige sich vorstellen, die Toten in ihren Leichengewändern aus ihrem Grab steigen zu lassen. Nur in den Romanen, in den phantastischen Gespenstermärchen und auf dem Theater sieht man die fleischlosen Leichen aus ihren Gräbern steigen, gehüllt in ihre Leichentücher und mit ihren Gebeinen klappernd. Der Spiritismus, der nie Wunder gewirkt, hat eben so wenig jenes, wie andere getan, und nie hat er einen Toten wieder lebendig gemacht; wenn der Leib in der Grube ist, so ist er wohl für beständig darin; aber das geistige, fluidale, intelligente Wesen ist nicht mit seiner groben Hülle hineingelegt worden; es hat sich im Augenblick des Todes von ihr getrennt, und ist die Trennung einmal bewirkt, dann hat es nichts mehr mit ihr gemein.

15. Es hat der übel wollenden Kritik beliebt, die spiritistischen Mitteilungen als umgeben von den lächerlichen und abergläubischen Praktiken der Magie und Totenbeschwörung hinzustellen. Wir werden einfach sagen, dass es, um mit den Geistern zu verkehren, weder Tage, Stunden noch Orte gibt, wovon die einen günstiger dafür wären, als die anderen; dass es zu ihrer Anrufung weder Formeln noch sakramentaler oder kabbalistischer Worte bedarf; dass keine Vorbereitung noch Einweihung dazu nötig ist; dass die Anwendung eines materiellen Zeichens oder Gegenstandes, sei es um sie anzuziehen oder zurückzuweisen, ohne Wirkung ist und dass der Gedanke genügt; endlich dass die Medien ihre Mitteilungen auf eine so einfache und natürliche Weise erhalten, wie wenn sie von einer lebenden Person diktiert würden, ohne aus dem normalen Zustand heraus zu treten. Die Marktschreierei allein könnte ein exzentrisches Benehmen heucheln und demselben ein lächerliches Zugehör hinzufügen.
Die Anrufung der Geister geschieht im Namen Gottes mit Ehrfurcht und Sammlung; dies ist das einzige, was ernsten Leuten empfohlen sei, die in Verkehr mit ernsten Geistern treten wollen.

16. Die intelligenten Kommunikationen, die man von den Geistern erhält, können gut oder schlecht, richtig oder falsch, tief oder seicht sein, je nach der Natur der Geister, die sich kundgeben. Diejenigen, welche von Weisheit und Wissen Beweise geben, sind vorgerückte Geister, welche Fortschritte gemacht haben; die, welche Unwissenheit und schlechte Eigenschaften beweisen, sind noch zurückgebliebene Geister, bei denen aber mit der Zeit der Fortschritt eintreten wird.
Die Geister können nur auf das antworten, was sie nach ihrem erlangten Fortschritt wissen, und überdies was ihnen zu sagen erlaubt ist; denn es gibt Dinge, die sie nicht offenbaren dürfen, weil es den Menschen noch nicht gegeben ist, alles zu erfahren.

17. Aus der Verschiedenheit in den Eigenschaften und Fähigkeiten der Geister geht hervor, dass es nicht genügt, sich an welchen Geist immer zu wenden, um eine auf jede Frage richtige Antwort zu erhalten; denn über viele Dinge kann er nur seine persönliche Meinung abgeben, die richtig oder falsch sein kann. Wenn er vernünftig ist, wird er seine Unkenntnis in dem, was er nicht weiß, eingestehen; wenn er leichtsinnig oder lügnerisch ist, wird er auf alles antworten ohne sich um die Wahrheit zu kümmern; ist er hochmütig, so wird er seinen Gedanken als eine ausgemachte Wahrheit geben. Es wäre also Unklugheit und Leichtsinn, alles, was von den Geistern kommt, ohne Kontrolle anzunehmen. Darum ist es von Wesentlichkeit, über die Natur derjenigen, mit denen man zu tun hat, im Klaren zu sein. (Buch der Medien - Nr. 267).

18. Man erkennt die Eigenschaft der Geister an ihrer Sprache: die der wirklich guten und höheren ist immer würdig, edel, logisch, von Widersprüchen frei; sie atmet Weisheit, Wohlwollen, Bescheidenheit und die reinste Moral; sie ist kurz gefasst und ohne unnütze Worte. Bei den untergeordneten, unwissenden oder hochmütigen Geistern wird die Leere der Gedanken beinahe immer durch den Überfluss an Worten ausgeglichen. Jeder augenscheinlich falsche Gedanke, jeder der gesunden Moral widersprechende Grundsatz, jeder lächerliche Rat, jeder rohe, gemeine oder bloß leichtfertige Ausdruck, endlich jedes Zeichen von Übelwollen, Dünkel oder Anmaßung sind bei einem Geist unbestreitbare Merkmale von Niedrigkeit.

19. Der providentielle Zweck der Manifestationen ist die Ungläubigen zu überzeugen, dass mit dem irdischen Leben nicht alles für den Menschen aufhört, und den Gläubigen richtigere Begriffe von der Zukunft zu geben. Die guten Geister kommen, uns in Absicht auf unsere Besserung und unser Fortschreiten zu unterrichten und nicht um uns das zu offenbaren, was wir noch nicht wissen, oder durch unsere eigene Bemühung erfahren sollen. Wenn es genügte die Geister zu befragen, um die Lösung wissenschaftlicher Schwierigkeiten zu erlangen, oder um Entdeckungen und gewinnreiche Erfindungen zu machen, so könnte jeder Unwissende wohlfeil ein Gelehrter und jeder Faule ohne Mühe reich werden; das will aber Gott nicht. Die Geister helfen dem Mann von Geist durch die verborgene Eingebung, aber sie entheben ihn der Arbeit und der Forschung nicht, um ihm deren Verdienst zu lassen.

20. Es hieße von den Geistern einen sehr falschen Begriff haben, wollte man in ihnen Wahrsagergehilfen sehen; die ernsten Geister versagen es, sich mit nichtigen Dingen abzugeben; die leichtsinnigen und spöttischen Geister beschäftigen sich mit allem, antworten auf alles, sagen alles was man will voraus, ohne sich um die Wahrheit zu kümmern und machen sich ein boshaftes Vergnügen daraus, die allzu Leichtgläubigen zu mystifizieren; darum ist es wichtig, über die Beschaffenheit der Fragen, die man an die Geister richten kann, vollkommen klar zu sein. (Buch der Medien - Nr. 286: "Fragen, die man an die Geister stellen kann.")

21. Die Kundgaben sind demnach nicht bestimmt, den materiellen Interessen zu dienen, deren Sorge dem Verstand, der Beurteilung und der Tätigkeit des Menschen überlassen ist. Vergebens würde man versuchen, sie dazu zu verwenden, um die Zukunft kennen zu lernen, verborgene Schätze zu entdecken, Erbschaften zu erlangen oder die sich zu bereichernden Mittel zu finden.
Ihr Nutzen besteht in den moralischen Folgen, die daraus erfließen; wäre aber ihr Resultat auch nur die Kenntnis eines neuen Gesetzes der Natur, der materielle Beweis von der Existenz der Seele und ihrer Unsterblichkeit, so wäre dies schon viel, denn dies wäre ein der Philosophie eröffneter breiter, neuer Weg.

22. Aus diesen wenigen Worten kann man ersehen, dass den spiritistischen Kundgaben, wie sie auch beschaffen sein mögen, nichts übernatürliches noch wunderbares an sich haben. Es sind Phänomene, die kraft des Gesetzes hervorgebracht werden, welches die Beziehungen der körperlichen und geistigen Welt leitet, eines Gesetzes, das eben so natürlich als das der Elektrizität, der Schwere usw. ist. Der Spiritismus ist die Wissenschaft, welche uns dieses Gesetz kennen lehrt, wie die Mechanik uns das der Bewegung, die Optik das des Lichtes lehrt. Da die spiritistischen Kundgaben in der Natur liegen, so haben sie zu allen Zeiten stattgefunden; das Gesetz, welches sie regiert, einmal erkannt, erklärt uns eine Menge für unlöslich angesehener Probleme, es ist der Schlüssel für eine Menge von Erscheinungen, die durch den Aberglauben ausgebeutet und vergrößert worden sind.

23. Nachdem das Wunderbare vollständig entfernt ist, so haben diese Phänomene nichts mehr, was der Vernunft widerstrebt, denn sie nehmen jetzt ihre Stelle neben den anderen Naturerscheinungen ein. In den Zeiten der Unwissenheit wurden alle Wirkungen, deren Ursache man nicht kannte, für übernatürlich gehalten; die Entdeckungen der Wissenschaft haben allmählich den Kreis des Wunderbaren beschränkt; die Kenntnis dieses neuen Gesetzes vernichtet ihn gänzlich. Diejenigen also, die den Spiritismus beschuldigen, dass er das Wunderbare wieder erwecke, beweisen schon dadurch, dass sie von einer Sache sprechen, die sie nicht kennen.

Von den Medien

1. Das Medium besitzt nur die Fähigkeit mit den Geistern in Verkehr zu treten, die wirkliche Mitteilung aber hängt von dem Willen der Geister ab. Wenn die Geister keine Kundgabe machen wollen, erhält das Medium nichts; es ist wie ein Instrument ohne Tonkünstler.

2. Die Schwierigkeit der Mitteilungen hängt von dem Grad der Verwandtschaft (Affinität) ab, welcher zwischen den Fluida des Mediums und des Geistes besteht. Jedes Medium ist so mehr oder weniger geeignet, den Eindruck oder Impuls des Gedankens dieses oder jenes Geistes zu empfangen; es kann für den Einen ein gutes, für den Anderen ein schlechtes Instrument sein. Daraus ergibt sich, dass, wenn zwei gleich begabte Medien neben einander sitzen, ein Geist sich durch das Eine offenbaren kann, durch das Andere nicht.
Es ist also ein Irrtum zu glauben, es genüge Medium zu sein, um mit gleicher Leichtigkeit von jedem Geist Mitteilungen zu erhalten. Es gibt keine Universalmedien. Die Geister suchen vorzugsweise die Instrumente, welche zum Einklang mit ihnen stimmen.
Ohne die Harmonie, welche allein die fluidale Verschmelzung herbeiführen kann, sind die Mitteilungen unmöglich, unvollständig oder falsch. Sie können darum falsch sein, weil in Ermangelung des gewünschten Geistes, es an anderen nicht fehlt, die bereit sind, die Gelegenheit zu einer Kundgabe zu ergreifen und die sich um die Wahrheit sehr wenig kümmern.

3. Eine der größten Klippen für die Mediumschaft ist die Umsessenheit (aus dem Französischen "Obsession"), d. h. die Herrschaft, welche gewisse Geister über die Medien üben können, indem sie sich ihnen unter falschen Namen aufdringen und sie mit anderen Geistern zu verkehren hindern.

4. Was das eigentliche Medium ausmacht, ist die Fähigkeit; in dieser Hinsicht kann es mehr oder weniger gebildet, mehr oder weniger entwickelt sein. Was das Medium zu einem sicheren, zu einem solchen macht, das man wahrhaft als ein gutes Medium bezeichnen kann, ist die Anwendung der Fähigkeit, die Eignung den guten Geistern als Dolmetscher zu dienen. (Buch der Medien, Kapitel XXIII.).

5. Die Mediumschaft ist eine wesentlich bewegliche und unstete Fähigkeit, aus dem Grunde, weil sie dem Willen der Geister untergeordnet ist; darum ist sie Unterbrechungen unterworfen. Dieser Grund und das Prinzip, demzufolge die Mitteilung stattfindet, verhindern, dass sie zum einträglichen Gewerbe werde, da sie weder andauernd, noch auf alle Geister anwendbar sein, und gerade in dem Augenblick versagen kann, wo man sie nötig hätte. Es ist übrigens nicht vernünftig anzunehmen, dass ernste Geister sich dem ersten Besten zur Verfügung stellen, der sie ausbeuten möchte.

6. Es ist im Allgemeinen die Neigung der Ungläubigen, die Redlichkeit der Medien zu verdächtigen und die Anwendung betrügerischer Mittel zu vermuten. Außerdem, dass in Rücksicht auf gewisse Personen eine solche Vermutung beleidigend wäre, muss man sich doch vor Allem fragen, welches Interesse sie haben könnten, zu betrügen und Komödie zu spielen oder spielen zu lassen. Die beste Bürgschaft für die Aufrichtigkeit liegt in der absoluten Uneigennützigkeit; denn da, wo nichts zu gewinnen ist, hat die Marktschreierei keinen Grund des Vorhandenseins.
Was die Wirklichkeit der Phänomene betrifft, so kann sie jeder dartun, wenn man sich in die günstigen Bedingungen versetzt, und wenn man die zur Beobachtung der Tatsachen notwendige Geduld, Ausdauer und Unparteilichkeit mitbringt.

Von den spiritistischen. Versammlungen

1. Die Geister werden durch die Sympathie, die Ähnlichkeit der Neigungen und der Charaktere (Affinität), die Absicht, die ihre Anwesenheit erwünscht sein lässt, angezogen. Die höheren Geister gehen ebensowenig in unnütze Versammlungen, wie ein Gelehrter aus der Erde in eine Gesellschaft junger Unbesonnener gehen würde. Der bloße gesunde Menschenverstand sagt schon, dass es nicht anders sein kann; oder wenn sie zuweilen hingehen, so geschieht es, um einen heilsamen Rat zu geben, Laster zu bekämpfen, zu trachten, auf den guten Weg zurückzuführen; wenn sie kein Gehör finden, ziehen sie sich zurück. Es wäre eine vollständig falsche Idee zu glauben, die ernsten Geister fänden ein Wohlgefallen daran, auf ein leeres Geschwätz, auf müßige Fragen zu antworten, die weder Anhänglichkeit, noch Achtung für sie, noch den wirklichen Wunsch sich zu belehren beweisen, und noch weniger, dass sie kommen möchten, zur Belustigung der Neugierigen sich öffentlich zur Schau zu stellen. Sie hätten es bei ihren Lebzeiten nicht getan, sie können es nach ihrem Tode nicht tun.

2. Die Leere der Versammlungen hat das Ergebnis, dass sie die leichtsinnigen Geister anzieht, welche nur die Gelegenheit suchen, zu täuschen und zu foppen. Aus demselben Grunde, aus welchem gesetzte ernste Männer nicht in die leichtsinnigen Gesellschaften gehen, gehen auch die ernsten Geister nur in die ernsten Versammlungen, deren Zweck die Belehrung, nicht die Neugierde ist; in den Zusammenkünften dieser Art geben die höheren Geister mit Wohlgefallen ihre Unterweisungen.

3. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich als erste Bedingung, damit eine spiritistische Zusammenkunft nutzbringend werde, dass sie ernst und gesammelt sei; dass darin alles achtungsvoll, gewissenhaft und mit Würde vor sich gehe, wenn man den gewohnten Beistand der guten Geister erhalten will. Man darf nicht vergessen, dass, wenn diese Geister während ihres Lebens da aufgetreten wären, man ihnen Rücksichten bewiesen hätte, auf welche sie nach ihrem Tode noch ein größeres Recht haben.

4. Vergebens führt man den Nutzen gewisser auffallender, leerer und unterhaltender Experimente an, um die Ungläubigen zu überzeugen: man gelangt gerade zu einem entgegengesetzten Ergebnis. Der Ungläubige, der über die heiligsten Glaubenspunkte schon zu spotten geeignet ist, kann in dem, woraus man einen Scherz macht, nichts Ernstes sehen: er kann nicht dahin gebracht werden, das zu achten, was ihm nicht auf eine achtbare Weise vorgestellt wird; auch nimmt er aus den leichtsinnigen, leeren Versammlungen, aus denen, worin weder Ordnung, noch Ernst, noch Sammlung herrscht, immer einen schlechten Eindruck mit. Was ihn besonders zu überzeugen vermag, ist der Beweis der Gegenwart von Wesen, deren Andenken ihm teuer ist; vor ihren ernsten, feierlichen Worten, vor ihren innigen Offenbarungen sieht man ihn erschüttert werden und erblassen. Aber eben dadurch, dass er vor der Person, deren Seele sich ihm ankündigt, mehr Achtung, Verehrung und Anhänglichkeit hat, wird er verletzt, nimmt er Ärgernis daran, sie in einer unachtbaren Gesellschaft, zwischen tanzenden Tischen und albernen Witzen leichtsinniger Geister zu sehen; so ungläubig er ist, weist sein Gewissen dieses Bündnis des Ernsten mit dem Leichtfertigen, des Religiösen mit dem Gemeinen zurück; darum betrachtet er dies alles als Gaukelei, und geht oft weniger überzeugt fort, als er gekommen ist.
Versammlungen dieser Art stiften mehr Übel als Gutes, denn sie entfernen von der Lehre mehr Personen als sie ihr zuführen, abgesehen davon, dass sie eine Blöße dem Tadel der Schmäher bieten, die in solchem Vorgehen wohlbegründete Ursachen zum Spotte finden.